Das größte Rätsel des Universums

Die allermeiste Zeit seitdem die Menschheit existiert, waren die verschiedensten Kulturen,
egal wo auf der Erde sie lebten, davon überzeugt, dass die Menschen und Tiere
eine immaterielle Seele besitzen. Sie glaubten, dass uns diese Seele grundlegend von der toten
Materie um uns herum unterscheidet. Für die Menschen damals war es somit auch völlig klar,
dass sie selbst ein Bewusstsein haben, während die tote Materie um sie herum völlig unbewusst ist.
Doch mit dem Beginn der modernen
Naturwissenschaften wurde klar, dass wir Menschen aus den exakt gleichen Teilchen bestehen, wie die
tote Materie um uns herum. Auf fundamentaler Ebene unterscheiden sich die Menschen also
nicht grundlegend von der toten Materie. Mit dieser Erkenntnis tat sich eines der größten
Rätsel der Menschheitsgeschichte auf: Wie kann es sein, dass eine bestimmte Anordnung von Materie,
wie die in unserem Gehirn, über ein Bewusstsein verfügt, während andere Anordnungen von Materie,
wie die in einem Stein völlig unbewusst sind? Wie kann ein bestimmtes Zusammenspiel unbewusster
Atome einen bewussten Menschen formen?
Einige Wissenschaftler sind heute der Auffassung, dass es prinzipiell unmöglich ist das Bewusstsein
naturwissenschaftlich zu erklären. Sie glauben also, dass auch noch so viel Erkenntnis über
den Aufbau und die Arbeitsweise des Gehirns nicht dabei helfen wird das Rätsel des Bewusstseins zu
lösen. Wie kann das sein?
Das grundlegende Problem besteht darin, dass wir nicht erklären können, wie unser
Gehirn ein Erleben produziert. Denn mit unseren Sinneswahrnehmungen geht immer ein bestimmtes
Erleben einher. So sehen wir viele verschiedene bunte Farben, wenn wir auf ein Blumenbeet blicken,
schmecken die Süße beim Essen eines Schokoladeneis, oder spüren den Schmerz,
wenn wir unseren Finger an einer heißen Flamme verbrennen. Das sind alles Dinge,
die einen subjektiven Erlebnisgehalt haben – in der Bewusstseinsforschung werden sie Qualia
genannt.
Doch wenn wir das Ganze auf neuronaler Ebene betrachten, werden bei jeder Empfindung einfach
nur bestimmte elektrische Impulse durch unsere Nervenzellen gefeuert. Wie ist es also möglich,
dass das Zusammenspiel elektrischer Impulse, die nichts anderes als das Fließen von unbewussten
Elektronen, Atomen oder Molekülen sind, zu einem subjektiven Empfinden von Farbe,
Geschmack oder Schmerz führen?
In den Neurowissenschaften werden ständig neue Erfolge erzielt und wir verstehen immer mehr über
den Aufbau und die Funktionsweise des Gehirns. Doch durch welchen Mechanismus das bewusste
Erleben ausgelöst wird, ist ein Rätsel für das bis heute keine Lösung in Sicht ist. Denn wenn
wir die Methoden der klassischen Naturwissenschaft zur Erklärung des Bewusstseins anwenden wollen,
kommt es zu einem fundamentalen Problem.
Die Naturwissenschaft verwendet zwei grundlegende Methoden zur Erforschung der Natur:
Zum einen
muss es möglich sein mit einer fundamentalen Theorie, bekannte Phänomene lückenlos zu
erklären und mithilfe der grundlegenden Gesetze eindeutige kausale Schlussfolgerungen zu ziehen.
So können wir zum Beispiel vollständig verstehen, warum sich unterschiedliche Temperaturen immer
angleichen, indem wir betrachten wie sich die Atome auf fundamentaler Ebene verhalten. Indem