Das Leben und andere Kleinigkeiten
Hallo und herzlich willkommen zum ersten Beitrag im neuen Jahr! Mein Name ist Meike und ihr hört meinen Podcast „Das Leben und andere Kleinigkeiten“. Ich freue mich riesig, dass ihr mir treu geblieben seid und euch auch in diesem Jahr mit mir zusammen jeden Monat mit einem neuen Thema des Alltagslebens beschäftigen wollt. Passend zum Jahresanfang habe ich mir etwas ausgesucht, was möglicherweise mit so einigen an Silvester gefassten guten Vorsätzen zu tun haben könnte … Kennst Du das? Du kommst von einer Urlaubsreise nach Hause, betrittst deine Wohnung und denkst dir: Wow, ist die groß! Und all dieses Zeug hier gehört mir? Während deiner Reise hat dein ganzes Hab und Gut in einen Rucksack gepasst. Du hast jeden Tag mit einem herrlichen Gefühl von Leichtigkeit begonnen, und dir hat unterwegs nichts gefehlt – mal abgesehen von dem verregneten Morgen in einem schrecklich ungemütlichen Café, als du sehnsuchtsvoll an deine himmelblaue tröstliche Teetasse gedacht hast – und du hattest einfach ein großartiges Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit. Doch es wird nicht lange dauern und dein altes Leben hat dich wieder. Nach einer arbeitsreichen Woche gehst du in die Stadt, kaufst dir das zehnte Paar Schuhe und einen weiteren schicken Rock, der zu Hause neben den vielen anderen schicken Röcken hängt und darauf wartet, getragen zu werden. Du willst dich belohnen, und für einen kurzen Moment vermittelt dir der Shopping-Ausflug auch wirklich ein gutes Gefühl, das sich allerdings schnell verbraucht. Je mehr wir besitzen, umso mehr verstricken wir uns in Zwänge und Abhängigkeiten. Sich etwas anzuschaffen, braucht Energie, es zu verwalten oder zu pflegen, braucht weitere Energie und nicht zuletzt braucht auch die Entsorgung wieder Energie. Als Werner Tiki Küstenmacher 2009 das Buch Simplify Your Life herausbrachte, befand es sich in Kürze weltweit an den Spitzen der Bestsellerlisten. Allein die Tatsache, dass das Buch in 40 Sprachen übersetzt wurde, spricht für sich. Anscheinend herrscht in allen Kulturen zunehmend das Bedürfnis, sich aus dem Chaos durch „das Zuviel“ auf allen Lebensebenen befreien zu wollen. Küstenmachers Buch zeigt, wie man durch Entrümpeln und Strukturieren zu einem selbstbestimmten und damit glücklicheren Leben finden kann. Dabei muss man kein Feind von Sachen sein, kein Asket oder Verweigerer. Man sollte nur nicht zulassen, dass nicht wir mit unseren Sachen, sondern unsere Sachen ständig etwas mit uns machen, was wir nur bedingt oder eigentlich gar nicht wollen.
Jetzt wirst du sagen: Aber wie soll das denn gehen? Ich habe Kinder, und die brauchen doch Windeln, Spielsachen, und, und, und … Klar, es gibt durchaus Phasen im Leben, in denen man mehr oder andere Dinge braucht. Doch wenn die Grundtendenz ist, dem Überkonsum den Kampf anzusagen, werden es dir gerade deine Kinder einmal danken. Auf der einen Seite entnehmen wir der Erde massiv Materie, auf der anderen Seite wissen wir nicht, wohin mit all dem Müll – diese Rechnung kann auf Dauer nicht aufgehen. Es gibt so einige Tricks, die ich ausprobiert habe und die wunderbar funktionieren. Bevor du online auf den Button „kaufen“ drückst, geh nochmal aus dem Zimmer und gieß die Blumen oder brat dir ein Spiegelei! Und bevor du in einem Geschäft zur Kasse gehst, schnapp draußen nochmal kurz frische Luft und stell dir die Frage, frei nach Werner Tiki Küstenmacher: „Brauche ich dieses Ding so sehr, dass ich es wirklich in meinem Leben haben will?“ Oder sag dem Verkäufer: „Auf dem Heimweg komme ich vorbei und nehme es mit!“ Ich schwöre, dass bereits diese Maßnahmen deinem Geldbeutel und der Übersichtlichkeit in deiner Wohnung wohl tun werden … Wenn sich erst einmal der Gedanke in deinem Kopf breit gemacht hat: „Nein, brauche ich nicht!“, wird dir eine große Bürde genommen. Man spricht vom „paradox of choice“: Das ist die Erkenntnis, dass wir Menschen durch zu viele Wahlmöglichkeiten gelähmt werden. Wir sind übersättigt von Angeboten, und selbst der Einkauf in einem Supermarkt kann aufgrund seines unüberschaubaren Warenangebots zu einer Herausforderung werden. Nun gut. Du hast jetzt einige Male ausprobiert, wie es sich anfühlt, etwas nicht zu kaufen. Nun geht’s ans Ausmisten. Beginn dort, wo der Leidensdruck am größten ist. Das kann ein Zimmer sein, der Keller, dein Bankkonto, aber auch dein Terminkalender oder dein Sozialleben. Jetzt ist deine Entscheidungskraft gefragt. Jedes Ding, jede Ausgabe, jeder Termin und jede Beziehung will beurteilt, auf seinen Platz gebracht oder eben – gestrichen werden. Auch das kann unterschiedlich aussehen. Bei manchen Dingen wirst du sofort wissen, dass du sie nicht mehr brauchst, vielleicht, weil du gar nicht mehr weißt, dass du sie überhaupt noch hast, und bei anderen Dingen wird dir die Entscheidung schwerfallen. Dann pack sie in eine Kiste und stell sie weg. Ein Jahr lang. Und wenn du sie in dieser Zeit nicht vermisst hast – na? Genau, weg damit. Aber auch das muss zu keiner weiteren Vergrößerung unseres Müllbergs führen, sondern du kannst sie als secondhand verkaufen, oder verschenken, oder in eins der vielen Leih- oder Schenkgeschäfte bringen, die in den letzten Jahren entstanden sind. Du wirst sehen: Es ist unendlich befriedigend, Dinge loszulassen! Und der vollgepackte Terminkalender und die vielen Freunde, Freundinnen, Kollegen, Bekannten … Frag dich einfach, was wirklich wichtig ist, und wem du wirklich gern deine wertvolle Zeit schenkst!
Nun könnten wir in diesem Zusammenhang auch noch über die neue Bewegung des Minimalismus sprechen, die bereits als eine neue Subkultur bezeichnet wird. Doch diese Gegenreaktion auf unsere kapitalistische Gesellschaft birgt so viele interessante Einzelheiten, dass ich ihr gern einmal einen eigenen Podcast widmen möchte. Jetzt geht erst einmal aufräumen und ausmisten! Wie sich das anfühlt und was ihr dabei erlebt, könnt ihr mir gern schreiben. Ich bin gespannt! Bis zum nächsten Mal! Eure Meike