Das Leseverhalten der Jugend

Entgegen aller Befürchtungen erfreuen sich Tageszeitungen auch bei Heranwachsenden nach wie vor großer Beliebtheit: Wie eine repräsentative Umfrage ergeben hat, nutzen Jugendliche zwischen 13 und 20 Jahren zwar erwartungsgemäß vor allem das Internet, um sich Informationen aller Art zu besorgen. Doch auch die „Young digital natives“ – Teenager also, die bereits mit dem Internet aufgewachsen sind – lesen dennoch weiterhin gern Printmedien. Dieser Trend ist für die Entwicklung der Medienbranche sehr interessant. Deshalb beschäftigen sich zunehmend mehr Experten damit und suchen nach

Erklärungen.

Jeder Dritte (35 Prozent) gibt an, dass Tageszeitungen zu seinen liebsten Printprodukten gehören – gleich nach Romanen (64 Prozent) und vor Nachrichtenmagazinen (34 Prozent). Man stellte Jugendlichen unter anderem die Frage, wie sich ihr Medienverhalten in den vergangenen zwei Jahren verändert habe. Fast ein Drittel der Befragten (31 Prozent) antwortete, heute sogar mehr Tageszeitungen als früher zu lesen. Den Fernsehkonsum haben nur 15,4 Prozent der Jugendlichen ausgebaut. Die Nutzung von Handys und Smartphones dagegen ist bei jedem zweiten Befragten gestiegen. Diese Zahlen deuten darauf hin, dass sich der Medienkonsum nicht so stark wie erwartet zugunsten der digitalen Medien gewandelt hat.

Tatsächlich greift auch in Zeiten der digitalen Revolution noch immer ein Großteil der deutschen Bevölkerung zu Zeitungen und Zeitschriften, statt sich nur im Netz über das nationale und internationale Weltgeschehen zu informieren. Zwar sind die Auflagen seit Jahren rückläufig, aber es ist dennoch in vielen Haushalten noch immer an der Tagesordnung, lokale oder überregionale Zeitungen zu lesen. Hierzulande schauen 70 Prozent der Erwachsenen regelmäßig in ihre Tageszeitung, in den USA tun dies nur rund 40 Prozent.

Dass viele Jugendliche nach wie vor gerne Zeitungen lesen, erklären Experten folgendermaßen: Die Artikel in den Printmedien würden nach Themenkomplexen zusammengestellt. Außerdem schätzten Heranwachsende das optisch ansprechende, übersichtliche Angebot von Artikeln über nationale Politik, über Wirtschaft und Sport bis hin zu Kultur in einer bestimmten Reihenfolge. Viele Internetseiten könnten da bislang nicht mithalten.

Die lebenslangen Wertevorstellungen werden in der Jugend von den Eltern geprägt“, meint Beratungsexperte Goldhammer. „Das ist eine andere Erklärung für die Popularität der Tagespresse.“ Er sagt, die Mehrzahl der heutigen Teenager sei in Haushalten aufgewachsen,

in denen Zeitungen einfach dazugehörten. Diese Gewohnheit zeige oft eine lebenslange Wirkung.