Was ist Zeit? Einige sagen, es ist die Abfolge von Augenblicken.
Und wie bei einem Schuss oder fließendem Wasser gibt es nur eine Richtung.
Aber was wäre, wenn die Zeit wie Wasser manchmal stillstehen oder sogar die Richtung ändern könnte?
Vom Tod zum Leben, schön wär's. Aber die Zeit kennt nur eine Richtung: vom Leben zum Tod.
Dabei weiß niemand, was Zeit eigentlich ist. Und das geht nicht nur uns heute so.
Schon Augustinus von Hippo, einer der frühen Kirchenväter, hat im 5. Jahrhundert als einer der Ersten
auf das Mysterium der Zeit hingewiesen. "Was ist Zeit?", fragt er. Und er hat sich zugleich die Antwort selbst gegeben:
"Wenn mich niemand danach fragt, dann weiß ich's. Aber wenn ich's einem Fragenden erklären soll,
dann weiß ich's nicht." Ich weiß es leider auch nicht. Fangen wir doch mal ganz von vorne an.
* Mysteriöse Musik *
Der Beginn eines neuen Lebens. Eine ganze Welt wartet darauf, entdeckt zu werden.
Der Fluss der Zeit ordnet unser Leben. Denn die Dinge geschehen nacheinander,
nicht gleichzeitig. Aber die Zeit fließt nicht immer gleich schnell.
Denn wie wir sie empfinden, hängt auch von unserem Alter ab.
Ab dem Augenblick, in dem wir unsere Augen öffnen, nehmen wir unzählige Eindrücke wahr
und zugleich läuft unsere Lebenszeit unerbittlich los. Am Anfang gefühlt unendlich langsam
und je älter wir werden scheinbar umso schneller. Wie kann das sein? * Die Uhr tickt. *
Ein Jahr ist doch immer gleich lang. Daran ändert sich doch nichts, ganz egal, ob ich fünf bin oder 50.
Und trotzdem stimmt es, wenn ich Ihnen sage, dass wir mit 18 bereits das meiste wahrgenommen haben.
Klingt seltsam, ist aber logisch. "Wieso?", werden Sie jetzt fragen.
Um das zu verstehen, machen wir eine kleine Zeitreise. Die Erklärung für dieses Phänomen
verdanken wir einem französischen Philosophen: Paul Janet. Guten Morgen. Beginnen wir.
Unser heutiges Thema behandelt die Zeit. Irgendwelche Fragen dazu? Paris, 1897.
Nein? Dachte ich mir. Paradoxa sind Janets Leidenschaft. Und die Zeit ist für ihn ein solches.
Wie er mathematisch nachweist. Wenn er "1 = 100%" aufschreibt, bedeutet das nichts anderes,
als dass für uns im ersten Lebensjahr alles neu ist. Und je älter wir werden,
desto geringer wird der Wahrnehmungsgewinn und die Erinnerung an das, was passiert.
Wie Sie hier sehen können, empfinden wir unsere Zeit unterschiedlich.
Wenn wir etwas zum ersten Mal erleben, gräbt sich das direkt ins Gehirn ein und hinterlässt dort tatsächlich spürbare Auswirkungen oder Spuren.
Die führen dazu, dass uns ein solcher Zeitraum als lange erscheint. Deshalb haben Menschen das Gefühl, jedes Jahr vergeht schneller,
weil wir immer das Gleiche tun und haben später keine Erinnerung. Deshalb ist Zeitwahrnehmung im Blick auf das Alter
aus einer ganzen Reihe von Gründen relativ. Zeit ist relativ, hat schon Albert Einstein gesagt.
Sie vergeht in Anwesenheit einer schönen Frau viel schneller als beim Zahnarzt. Oder auch in einer Vorlesung.
Zeit, mit anderen Worten, vergeht für jeden von uns anders.
Sag mal, wollen wir nachher mal eine Runde spazieren gehen?
Der geniale Einstein, der hat nicht nur berechnet, er hat es an sich selber erfahren, dass die Zeit relativ ist.
Je älter wir werden, umso schneller scheint die Zeit zu vergehen. Das ist nicht sehr beruhigend.
Aber wenn die Zeit so unterschiedlich vergeht, was ist denn dann die Gegenwart? Die Forschung sagt, es sind drei Sekunden.
Eins, zwei, drei. Das ist so gut wie nichts. Oder ist das so, weil die Welt sich immer schneller um sich selber dreht