Die Illusion der Wirklichkeit
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zqbjoqt
In der italienischen Stadt Monza wurde vor einigen Jahren eine verrückte Entscheidung getroffen:
Der Stadtrat entschied, dass Kugelaquarien für Goldfische generell verboten werden sollen. Der
Grund dafür ist, dass die Goldfische durch die Brechung des Lichts am Kugelförmigen Glas ein
verzerrtes Bild der Wirklichkeit erhalten würden. Doch ist unser Menschliches Bild der Wirklichkeit
wirklich realer als das scheinbar verzerrte Bild der Goldfische? Oder kann es uns ähnlich ergehen?
Woher wissen wir Menschen, dass wir die wahre unverzerrte Wirklichkeit sehen?
Der Physiker Stephen Hawking
beschäftigte sich sehr tiefgehend mit dieser Frage nach dem Wesen der Wirklichkeit. Am Ende seiner
Überlegungen stand eine philosophische Theorie, die er den modellabhängigen Realismus nennt und
nach der die Wirklichkeit viel weniger eindeutig ist als sie zu sein scheint. So ist nach Hawkings
Theorie das Weltbild des Goldfischs durch die gekrümmten Gläser nicht weniger real als unseres.
Wir Menschen haben auf der Basis unserer Beobachtungen allgemeingültige Naturgesetze
formuliert mithilfe derer wir die Wirklichkeit sehr präzise beschreiben können. Doch wären
die Goldfische intelligent genug könnten sie aus ihrer Perspektive genauso gültige
Naturgesetze aufstellen wie wir. Zwar wären ihre Gesetze vermutlich deutlich komplizierter,
da sich zum Beispiel kräftefreie Körper aus ihrer Sicht auf krummlinigen Bahnen bewegen,
doch könnten sie damit genauso zutreffende Vorhersagen machen
wie wir Menschen. Und da Einfachheit nur im Auge des Betrachters liegt, könnten wir nicht sagen,
dass unsere Beschreibung der Natur mehr Gültigkeit hat als die der Goldfische.
Hawkings Theorie des modellabhängigen Realismus besagt, dass wir alle Theorien, die es erlauben
korrekte Vorhersagen über die Natur zu machen, als gleichwertig ansehen müssen. Nach dieser
Auffassung können wir also keine Theorie der Wirklichkeit als richtiger einstufen als die
andere, solange beide Vorhersagen machen, die mit den Experimenten übereinstimmen.
Diese Vorstellung hat radikale
Konsequenzen für das was wir Menschen heute als wahr erachten. Denn seit etwa 400Jahren sind die
meisten Menschen der festen Überzeugung, dass das geozentrische Weltbild, also die Auffassung,
dass sich die Sonne um die Erde dreht, widerlegt wurde. Doch das stimmt nicht.
Die Beschreibung der Planetenbewegungen ist zwar viel einfacher, wenn man die Sonne als
Zentrum des Sonnensystems betrachtet, doch lassen sich die Planetenbahnen genauso zutreffend mit der
Erde im Zentrum beschreiben. Da wir frei in der Wahl des Bezugssystems sind, ist ein Bezugssystem
bei dem die Erde starr mit dem Zentrum verbunden ist, genauso zulässig wie eines, bei dem die Sonne
starr im Zentrum liegt. Da beide Theorien korrekte Vorhersagen über die Bahnen der Planeten machen,
haben wir nach Hawkings Theorie keinen Grund das heliozentrische Weltbild als realer anzusehen als
das geozentrische.
Schon seit Platon streiten die Philosophen über das wirkliche Wesen der Realität und unser
Verhältnis zu ihr. Die natürlich-erscheinende Position, die unserem gesamten Alltagsdenken
zugrunde liegt, ist der klassische Realismus. Nach dieser Position können wir die Welt
genau so erkennen wie sie auch tatsächlich ist. Das heißt wenn wir draußen einen Stein
mit bestimmten Eigenschaften sehen, dann liegt das daran, dass der Stein dort tatsächlich liegt
und auch genau diese Eigenschaften hat. Doch philosophisch betrachtet werden die