Die Illusion vom Freien Willen
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by
zqbjoqt
In unserer alltäglichen Welt scheint unser freier Wille vollkommen selbstverständlich
und unbezweifelbar zu sein. So scheinen wir ja absolut frei in unserer Entscheidung,
ob wir jetzt ein Youtube-Video schauen oder ein Buch lesen wollen. Oder ob
wir unseren nächsten Urlaub in den Bergen oder am Strand verbringen.
Doch diese Idee, dass wir quasi in jedem Moment einen von vielen möglichen Verläufen der Zukunft
auswählen können, geriet unter dem Weltbild der modernen Physik ganz schön in Bedrängnis.
Stellt man sich einen Menschen bei einem Spaziergang vor, der nach einer gewissen
Zeit an eine Weggabelung kommt und nun vor der Entscheidung steht nach links
oder nach rechts abzubiegen dann scheint es zunächst völlig unzweifelhaft zu sein,
dass dieser Mensch die freie Entscheidung für einen der beiden Wege hat. Doch was genau
bedeutet eine solche freie Entscheidung im philosophischen Sinn überhaupt?
Um das zu verstehen bedient man sich eines Gedankenexperiments:
Man stellt sich vor, dass man eine 100% identische Kopie dieser Welt erstellt:
also eine zweite Welt in der alle Atome, Moleküle und Elementarteilchen im gesamten Universum die
exakt selbe Anordnung haben. Da auch unser Gehirn nachweislich aus Atomen besteht,
muss die Person in der kopierten Welt also auch über die exakt gleichen Erinnerungen
und über das exakt gleich Wissen wie die Person in der ursprünglichen Welt verfügen.
Wenn die Person über einen freien Willen verfügt dann bedeutet das,
dass sie sich trotz der genau gleichen Umstände in einer Welt für den linken
Weg und in der anderen Welt für den rechten Weg entscheiden kann. Denn
nur dann ist ihr Handeln nicht eindeutig von den physikalischen Gesetzen vorherbestimmt.
Unsere Alltagswelt, die durch die klassische Physik beschrieben wird, folgt jedoch einer
eindeutigen Verkettung von Ursache und Wirkung. Stößt man zum Beispiel ein Glas um,
hat das zur Folge dass es durch die Wirkung der Gravitation nach unten fällt. Das wiederum
hat zur Folge dass das Glas beim Aufprall in 1000 kleine Scherben zerspringt . Das heißt:
alles was passiert hat eindeutige Konsequenzen. Und jedes Ereignis in
der Welt ist eine unvermeidbare Konsequenz der Vergangenheit und war schon vor Millionen von
Jahren vorherbestimmt. Philosophen nennen dieses Prinzip “Determinismus”. In einem vollkommen
deterministischen Universum wäre die kopierte Welt also selbst in Milliarden von Jahren immernoch zu
100% identisch mit der ursprünglichen Welt. Sie kann sich ja nur in diese eine bestimmte Zukunft
entwickeln. Nach dem Prinzip wären selbst die elektrischen Impulse in unserem Gehirn eindeutig
vorherbestimmt. Offenbar ist nach der klassischen Physik kein Platz für einen freien Willen.
Doch glücklicherweise ist die klassische Physik keine fundamentale Beschreibung unserer Welt:
Sie ist viel mehr eine grobe Beschreibung für das was im tiefsten Inneren der Welt
tatsächlich vorherrscht: nämlich die Gesetze der Quantenmechanik.
Gemäß diesen Gesetzen gibt es nämlich Vorgänge in der Welt,
die nicht deterministisch verlaufen. Zerfällt zum Beispiel ein radioaktives Atom dann ist der Grund
für den Zerfall zwar, dass der Atomkern instabil ist aber es gibt keine konkrete Ursache dafür,
dass das Atom zu einem bestimmten Zeitpunkt zerfällt. Wann genau das Atom zerfällt ist
nämlich völlig zufällig und nicht vorhersehbar. Die Welt der Quanten ist also indeterministisch.