Klausurvorbereitung LS 5.4/5.3
LS5.3
THEMA 1: NEBENWIRKUNGEN UND WECHSELWIRKUNGEN
Nebenwirkungen sind alle Wirkungen eines Medikaments, die über die gewünschte Hauptwirkung hinausgehen. Es gibt kein Medikament ohne Nebenwirkungen. Manche sind harmlos, manche gefährlich.
Die Europäische Arzneimittelagentur EMA hat die Häufigkeit festgelegt: Sehr häufig bedeutet mehr als 10 Prozent der Patienten sind betroffen. Häufig bedeutet 1 bis 10 Prozent. Gelegentlich bedeutet 0,1 bis 1 Prozent. Selten bedeutet 0,01 bis 0,1 Prozent. Sehr selten bedeutet weniger als 0,01 Prozent.
Beispiele für Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Müdigkeit, Übelkeit, Hautausschlag, aber auch Leberschäden oder innere Blutungen.
Eine allergische Reaktion ist ein NOTFALL. Sie äußert sich durch Juckreiz, Hautausschlag, Atemnot, pfeifende Atemgeräusche oder einen allergischen Schock. Als Pflegekraft musst du sofort den Arzt alarmieren.
Wechselwirkungen entstehen, wenn zwei oder mehr Medikamente sich gegenseitig beeinflussen. Die Wirkung kann abgeschwächt oder verstärkt werden. Besonders ältere Menschen sind betroffen, weil sie oft viele Medikamente nehmen. Je mehr Medikamente, desto höher das Risiko. Tabletten immer mit Wasser einnehmen, nicht mit Milch, Fruchtsäften oder Kaffee.
THEMA 2: THERAPEUTISCHE BREITE
Die therapeutische Breite ist der Sicherheitsabstand zwischen der Dosis, die wirkt, und der Dosis, die schädlich ist. Eine große therapeutische Breite bedeutet, das Medikament ist relativ sicher. Eine geringe therapeutische Breite bedeutet, das Medikament ist riskant, zum Beispiel schon kleine Abweichungen können zu einer Vergiftung führen. Diese Patienten müssen eng überwacht werden.
THEMA 3: PHARMAKODYNAMIK UND PHARMAKOKINETIK
Pharmakokinetik beschreibt, was der Körper mit dem Medikament macht. Sie besteht aus vier Schritten. Resorption ist die Aufnahme ins Blut, bei Tabletten meist im Dünndarm. Verteilung bedeutet, das Medikament wird über das Blut im Körper verteilt. Metabolismus ist der Abbau, hauptsächlich in der Leber. Elimination ist die Ausscheidung, hauptsächlich über die Nieren oder die Galle. Bei Kindern läuft die Pharmakokinetik anders und oft langsamer. Bei alten Menschen sind Leber und Nieren oft eingeschränkt, die Ausscheidung ist langsamer.
Pharmakodynamik beschreibt, wie das Medikament wirkt. Die meisten Medikamente wirken über Rezeptoren, das sind Strukturen in den Zellwänden. Der Wirkstoff ist wie ein Schlüssel, der Rezeptor wie ein Schloss. Ein Agonist bindet an den Rezeptor und löst einen Effekt aus, zum Beispiel ein Schmerzmittel löst die Schmerzlinderung aus. Ein Antagonist bindet ebenfalls, löst aber keinen Effekt aus, er blockiert den Rezeptor, zum Beispiel blockieren manche Blutdruckmedikamente die Rezeptoren für körpereigene Substanzen. Ein nichtkompetitiver Hemmer verändert die Struktur des Rezeptors, sodass der Agonist nicht mehr andocken kann.
THEMA 4: ARZNEIMITTELFORMEN
Feste Formen: Pulver sind sehr fein zerkleinert, die Dosierung ist oft ungenau. Granulat ist grobkörnig, die Dosierung ist oft ungenau. Tabletten sind fest gepresst, haben eine genaue Dosierung und sind oft teilbar. Schmelztabletten zerfallen im Mund, sie sind gut bei Schluckstörungen. Brausetabletten werden in Wasser aufgelöst und wirken schnell. Filmtabletten haben einen dünnen Überzug, sie sind gut zu schlucken, manche sind magensaftresistent, das heißt sie lösen sich erst im Dünndarm auf. Dragees haben einen Zuckerüberzug. Retardtabletten setzen den Wirkstoff verzögert frei, sie dürfen nicht geteilt oder zermörsert werden. Kapseln enthalten den Wirkstoff in einer Hülle aus Gelatine oder Stärke, sie sind oft zu öffnen, aber nicht teilbar. Zäpfchen, auch Suppositorium genannt, schmelzen bei Körpertemperatur, sie sind gut bei Kindern oder Bewusstlosen.
Flüssige Formen: Lösung, der Wirkstoff ist komplett gelöst. Tinktur, ein alkoholischer Auszug. Suspension, vor Gebrauch schütteln. Emulsion, eine Mischung aus zwei nicht mischbaren Flüssigkeiten, zum Beispiel Öl-in-Wasser.
Halbfeste und andere Formen: Cremes, Salben und Gele werden auf die Haut aufgetragen, Salben sind fetthaltiger als Cremes. Transdermale therapeutische Systeme sind wirkstoffhaltige Pflaster, zum Beispiel Schmerzpflaster, Nikotinpflaster oder Hormonpflaster. Inhalate werden über die Lunge eingeatmet, zum Beispiel Asthmaspray oder Pulverinhalator. Gase sind medizinische Gase wie Sauerstoff oder Narkosegase.
THEMA 5: APPLIKATIONSFORMEN
Enterale Applikation: Oral, das heißt schlucken, ist die häufigste Form. Sublingual bedeutet unter die Zunge, das gibt einen schnellen Wirkungseintritt, gut für Notfälle. Bukkal bedeutet in die Wangentasche. Rektal bedeutet als Zäpfchen, das ist gut bei Übelkeit, Erbrechen oder bei Bewusstlosen.
Parenterale Applikation bedeutet Umgehung des Darms. Subkutan, kurz s.c. und unter die Haut, wird zum Beispiel bei Heparin oder Insulin angewendet. Intramuskulär, kurz i.m. und in den Muskel, wird zum Beispiel bei Impfungen oder Antibiotika angewendet. Intravenös, kurz i.v. und in die Vene, gibt einen sofortigen Wirkungseintritt, ideal für Notfälle. Intrakutan, kurz i.c. und in die Haut, wird zum Beispiel beim Tuberkulintest angewendet.
Andere Applikationsformen: nasal, zum Beispiel Nasenspray, inhalativ, zum Beispiel Asthmaspray, transdermal, zum Beispiel Schmerzpflaster, kutan auf die Haut, zum Beispiel Salben, konjunktival in die Augen, zum Beispiel Augentropfen, otal in die Ohren, zum Beispiel Ohrentropfen, vaginal in die Scheide, zum Beispiel Vaginalzäpfchen.
THEMA 6: LAGERUNG VON ARZNEIMITTELN
Die meisten Medikamente werden bei Zimmertemperatur zwischen 15 und 25 Grad Celsius gelagert. Kühlpflichtige Medikamente müssen bei 2 bis 8 Grad Celsius in einem Medikamentenkühlschrank gelagert werden. Ganz wichtig: Keine Lebensmittel im Medikamentenkühlschrank. Die Temperatur des Kühlschranks muss täglich dokumentiert werden. Manche Aufsichtsbehörden erlauben an maximal fünf Tagen im Jahr eine Überschreitung von 25 Grad Celsius um 2 bis 3 Grad Celsius für wenige Stunden, auch das muss dokumentiert werden.
Lichtempfindliche Medikamente müssen vor Licht geschützt werden, man lässt sie am besten im Karton. Der Arzneimittelschrank und der Medikamentenkühlschrank müssen abschließbar sein. Auch der Raum, in dem die Medikamente gelagert werden, muss abschließbar sein. Medikamente dürfen nur in ihrer Originalverpackung aufbewahrt werden, denn Umpacken in andere Gefäße ist nicht erlaubt. Es gilt das First-in-first-out-Prinzip: die ältesten Medikamente mit dem frühesten Verfallsdatum werden zuerst verwendet, neue Medikamente werden hinter die bereits vorhandenen einsortiert. Im Krankenhaus werden die Medikamente meist alphabetisch sortiert oder nach Darreichungsformen, zuerst Tabletten, dann Salben.
In Pflegeheimen ist die Lagerung patientenbezogen, das heißt jeder Patient hat eine eigene Box mit seinem Namen, seiner Zimmernummer und dem Lieferdatum der Medikamente. Auch im Kühlschrank werden die Medikamente patientenbezogen gelagert. Umwidmungen sind absolut unzulässig, das heißt ein Medikament für Patient A darf nicht für Patient B verwendet werden, das wäre eine Straftat.
Auf flüssigen oder halbfesten Medikamenten, zum Beispiel Tropfen oder Salben, muss das Anbruchdatum gut sichtbar notiert werden. Die Haltbarkeit beträgt nach dem Öffnen oft nur noch Wochen bis wenige Monate. Medikamente haben anders als Lebensmittel kein Mindesthaltbarkeitsdatum, sondern ein Verfallsdatum. Ist dieses überschritten, dürfen sie nicht mehr verwendet werden. Die Pflegekraft kontrolliert den Bestand regelmäßig, die Apotheke kontrolliert mindestens halbjährlich die Lagerung und die Verfallsdaten.
THEMA 7: RICHTEN VON ARZNEIMITTELN
Richten bedeutet, die Medikamente für einen Patienten für einen Tag in einen Dispenser, also einen Tablettenspender mit Fächern für morgens, mittags, abends und nachts, vorzubereiten.
Die 6-R-Regel ist ganz wichtig für die Klausur: 1. Richtiger Patient, 2. Richtiges Medikament, 3. Richtige Dosis, 4. Richtige Applikationsform, 5. Richtiger Zeitpunkt, 6. Richtige Dokumentation.
Das 4-Augen-Prinzip bedeutet, dass eine zweite Pflegekraft die gerichteten Medikamente kontrolliert. Die Call-out-Methode bedeutet, dass du laut aussprichst, was du tust, zum Beispiel ich nehme jetzt Ramipril 5 Milligramm für Frau Müller.
Voraussetzungen für das erfolgreiche Richten sind ein heller und ruhiger Arbeitsplatz, eine saubere und desinfizierte Fläche, dass das Richten nicht nachts erfolgt, und dass die Hände vorher desinfiziert werden. Feste Arzneimittel wie Tabletten, Kapseln oder Dragees können im Voraus gerichtet werden, flüssige Arzneimittel wie Tropfen, Säfte oder Injektionen sollten direkt vor der Gabe gerichtet werden, maximal eine Stunde vorher.
Tabletten teilen ist nur erlaubt, wenn die Packungsbeilage es ausdrücklich sagt. Retardtabletten mit verzögerter Wirkstofffreisetzung dürfen niemals geteilt oder zermörsert werden. Schmelztabletten und Kapseln sind grundsätzlich nicht teilbar. Etwa die Hälfte aller Fehler beim Richten entsteht durch falsches Teilen von Tabletten.
Bedarfsmedikation, das heißt bei Bedarf, wird nicht regelmäßig gegeben, sondern nur bei bestimmten Symptomen wie Schmerzen oder Übelkeit. Der Arzt muss schriftlich anordnen: den Namen des Medikaments, die Darreichungsform, die Einzeldosis und Häufigkeit, die Höchstdosis in 24 Stunden sowie die genauen Symptome oder Situationen, bei denen gegeben werden darf. Jeden Bedarfsfall musst du dokumentieren: welche Symptome, welche Dosis, Uhrzeit und dein Name.
THEMA 8: SUBKUTANE INJEKTION
Bei der subkutanen Injektion, kurz s.c., wird das Medikament mit einer feinen Nadel in das Unterhautfettgewebe, die Subkutis, gespritzt. Von dort wird es langsam ins Blut aufgenommen. Anwendung findet sie bei Medikamenten, die nicht oral gegeben werden können, zum Beispiel weil sie im Magen zerstört würden, oder bei Medikamenten, die eine langsame und gleichmäßige Aufnahme benötigen. Beispiele sind Heparin zur Thromboseprophylaxe und Insulin bei Diabetes.
Geeignete Injektionsorte sind alle Stellen mit ausgeprägtem Unterhautfettgewebe: der Bauch, die Außenseite des Oberschenkels und die hintere oder seitliche Seite des Oberarms. Für Erwachsene sind zwölf Millimeter lange Kanülen am sichersten. Bei normalgewichtigen Patienten wird die Kanüle im senkrechten Winkel von 90 Grad eingestochen. Bei sehr dünnen, das heißt kachektischen Patienten, wird sie in einem spitzen Winkel von etwa 45 Grad eingestochen, um nicht versehentlich in den Muskel zu stechen.
Die Handlungskette der subkutanen Injektion: In der Vorbereitung informierst du den Patienten, desinfizierst deine Hände, bereitest das Material vor, prüfst das Medikament nach der 6-R-Regel, ziehst es steril auf, ziehst Handschuhe an und desinfizierst die Injektionsstelle. Bei der Durchführung bildest du mit Daumen und Zeigefinger eine Hautfalte, wobei du die Haut nur zusammendrückst und nicht abhebst. Du stichst zügig in die Hautfalte ein, drückst den Spritzenkolben langsam herunter, ziehst die Kanüle zügig heraus, lässt die Hautfalte los und komprimierst die Einstichstelle mit einem sterilen Tupfer leicht. Bei Heparin nur tupfen, nicht reiben. In der Nachbereitung entsorgst du die Kanüle sofort im Sharp-Container, die Schutzhülle darf niemals wieder aufgesteckt werden. Du ziehst die Handschuhe aus, desinfizierst deine Hände und dokumentierst.
Vor- und Nachteile von Injektionen: Vorteile sind der schnelle Wirkungseintritt, die Schonung der Magenschleimhaut, die Möglichkeit einer lokalen Wirkung, die exakte Dosierung und die Unabhängigkeit vom Schlucken. Nachteile sind, dass jemand spritzen können muss, und das höhere Risiko für Infektionen oder Nadelstichverletzungen.
Unterschiede der Injektionsarten: Bei der subkutanen Injektion wird ins Unterhautfettgewebe gespritzt, der Einstichwinkel beträgt 45 bis 90 Grad, die Kanüle ist kurz, das Volumen beträgt 0,5 bis 1,5 Milliliter, und es wird nicht aspiriert. Beispiele sind Heparin und Insulin. Bei der intramuskulären Injektion wird in den Muskel gespritzt, der Einstichwinkel beträgt 90 Grad, die Kanüle ist länger, das Volumen beträgt 2 bis 5 Milliliter, und es wird aspiriert, um zu prüfen, ob eine Vene getroffen wurde. Beispiele sind Impfungen und Antibiotika. Bei der intravenösen Injektion wird in die Vene gespritzt, der Einstichwinkel ist flach, etwa 15 bis 30 Grad, die Kanüle ist lang und dünnwandig, das Volumen ist variabel, und es wird aspiriert, um sicherzustellen, dass man wirklich in der Vene ist. Beispiele sind Notfallmedikamente und Infusionen. Der große Vorteil der intravenösen Gabe ist der sofortige Wirkungseintritt.
LS 5.4
LS 5.4 – THROMBOSEN ERKENNEN UND VORBEUGEN
Frage 1: Beschreibe den Prozess der Blutstillung und der Blutgerinnung.
Das ist ein Ablauf in mehreren Schritten wie ein Notfallplan des Körpers. Schritt 1: Ein Blutgefäß wird verletzt und blutet. Schritt 2: Das Gefäß zieht sich sofort zusammen, das nennt man Vasokonstriktion, dadurch fließt weniger Blut aus. Schritt 3: Die Blutplättchen, auch Thrombozyten genannt, haften an der verletzten Stelle und verkleben miteinander. So entsteht ein erster noch nicht stabiler Pfropf, der weiße Thrombus. Das ist die primäre Hämostase. Schritt 4: Jetzt startet die eigentliche Blutgerinnung, die sekundäre Hämostase. Es werden Gerinnungsfaktoren aktiviert, die eine Kaskade auslösen. Ziel ist, aus Fibrinogen Fibrin zu machen. Schritt 5: Das Enzym Thrombin wandelt das lösliche Fibrinogen in festes Fibrin um. Es entsteht ein Fibrinnetz wie ein stabiler Kleber. Schritt 6: In dieses Netz werden rote Blutkörperchen eingefangen. Jetzt entsteht der rote Thrombus, ein festes Gerinnsel. Die Blutung ist gestoppt. Schritt 7: Die Gefäßwand heilt. Schritt 8: Nach der Heilung beginnt die Fibrinolyse. Das Enzym Plasmin schneidet die Fibrinfäden wie eine Schere durch, das Gerinnsel löst sich auf. Schritt 9: Das Gefäß ist wieder frei, der Blutfluss normalisiert sich. Das nennt man Rekanalisation. Merke: Die Gerinnung baut einen festen Verschluss auf, die Fibrinolyse baut ihn nach der Heilung wieder ab.
Frage 2: Beschreibe Aufbau und Funktion der Venenklappen.
Die Venenklappen sind kleine taschenartige Strukturen an der Innenwand der Venen, besonders in den Bein- und Beckenvenen. Sie wirken wie Ventile. Ihre Funktion ist, das Blut nur in eine Richtung zum Herzen zurück fließen zu lassen und zu verhindern, dass es nach unten in die Füße zurücksackt. Zusammen mit der Muskelpumpe sorgen sie für den venösen Rückfluss. Wenn Venenklappen zum Beispiel durch eine Thrombose kaputtgehen, entstehen Krampfadern oder ein postthrombotisches Syndrom.
Frage 3: Beschreibe die Entstehung einer Lungenembolie.
Eine Lungenembolie ist fast immer die Folge einer tiefen Beinvenenthrombose, kurz TVT. Schritt 1: In einer tiefen Beinvene bildet sich ein Blutgerinnsel, ein Thrombus. Schritt 2: Ein Teil des Gerinnsels löst sich von der Gefäßwand ab. Das ist die Embolie. Schritt 3: Das Gerinnsel wird mit dem Blutstrom in die rechte Herzhälfte transportiert. Schritt 4: Von dort wird es in die Lungenarterie gepumpt. In der Lunge werden die Gefäße immer enger, das Gerinnsel bleibt stecken. Schritt 5: Das Lungengefäß wird verschlossen, die Sauerstoffaufnahme wird gestört. Das ist lebensbedrohlich. Merke: Eine Lungenembolie ist eine akute, lebensbedrohliche Komplikation einer tiefen Beinvenenthrombose.
Frage 4: Beschreibe das Krankheitsbild der TVT.
Eine tiefe Beinvenenthrombose ist ein Blutgerinnsel in einer tiefen Vene des Beins, meist im Unterschenkel, in der Kniekehle oder im Oberschenkel. Typische Symptome sind: Schwellung des Beins oder Fußknöchels, Spannungs- und Schweregefühl, ziehende Schmerzen in der Wade beim Auftreten, Überwärmung der Haut, rötlich-blaue Verfärbung, also Zyanose, und hervortretende oberflächliche Venen, sogenannte Warnvenen. Achtung: Eine Thrombose kann auch völlig symptomlos sein, also stumm verlaufen. Verlass dich nicht nur auf die Symptome.
Frage 5: Erkläre die Entstehung einer TVT anhand der Virchow-Trias.
Die Virchow-Trias beschreibt drei Faktoren, die gemeinsam eine Thrombose begünstigen. Je mehr Faktoren zusammenkommen, desto höher das Risiko. Faktor 1 ist der verlangsamte Blutfluss, die Stase. Beispiele: Bettruhe über drei Tage, langes Sitzen, Gipsverbände. Faktor 2 ist die Gefäßwandschädigung, der Endothelschaden. Beispiele: Operationen, Unfälle, Venenpunktionen, Entzündungen. Faktor 3 ist die erhöhte Gerinnungsneigung des Blutes, die Hyperkoagulabilität. Beispiele: Flüssigkeitsmangel, Antibabypille, Schwangerschaft, Krebs, Adipositas, Rauchen, höheres Alter.
Frage 6: Erläutere die Virchow-Trias anhand von zwei Beispielen pro Faktor.
Für die Stase: Bettruhe über drei Tage und ein Gipsverband. Für den Endothelschaden: eine Hüft-Operation und eine Venenpunktion. Für die Hyperkoagulabilität: die Einnahme der Antibabypille und eine Krebserkrankung.
Frage 7: Warum braucht man ein strukturiertes Assessment wie den Caprini-Score?
Aus drei Gründen: Erstens ist das Thromboserisiko bei jedem Patienten anders. Ein Assessment hilft, die individuelle Risikosituation zu erkennen. Zweitens kann der Arzt erst mit dem Assessment entscheiden, welche Prophylaxe richtig ist. Ein hoher Punktwert bedeutet intensivere Prophylaxe, ein niedriger Punktwert vermeidet unnötige Medikamente. Drittens schützt das Assessment die Patienten, weil Hochrisikopatienten nicht übersehen werden. Ein übersehener Hochrisikopatient könnte eine Thrombose mit Lungenembolie bekommen.
Frage 8: Beurteile die Aussage: Das Assessment ist unnötige Bürokratie. Man sollte einfach allen Patienten Gerinnungshemmer geben.
Diese Aussage ist falsch. Erstens erhöhen Gerinnungshemmer die Blutungsgefahr. Ein Patient mit niedrigem Risiko würde ein höheres Blutungsrisiko bekommen, ohne einen Nutzen zu haben. Zweitens müssen Nutzen und Risiko abgewägt werden. Patienten mit sehr niedrigem Risiko brauchen oft nur Basismaßnahmen wie Frühmobilisation, viel Trinken und Fußübungen, aber keine Medikamente. Hochrisikopatienten bekommen zusätzlich Gerinnungshemmer. Der Caprini-Score ist das Werkzeug für diese individuelle Entscheidung.
Frage 9: Warum gibt es auf verschiedenen Stationen unterschiedlich viele Thrombosen?
Die unterschiedliche Häufigkeit liegt an den verschiedenen Patienten und Behandlungen. Auf orthopädischen Stationen, zum Beispiel nach Hüft-Operationen, ist die Zahl sehr hoch, weil große Operationen die Gefäßwand schädigen und die Patienten immobil sind. Auf internistischen Stationen ist die Zahl niedriger, aber bei Krebs oder Herzinsuffizienz wieder erhöht. Auf Kinderstationen ist die Zahl sehr niedrig, weil Kinder selten große Operationen oder Gerinnungsstörungen haben. Die Thrombose-Häufigkeit ist hoch auf Stationen mit vielen Operationen, immobilen und älteren Patienten, wie Orthopädie, Unfallchirurgie und onkologischer Chirurgie.
Frage 10: Nenne die häufigsten Komplikationen der TVT.
Die drei häufigsten Komplikationen sind: Erstens die Lungenembolie, die häufigste akute, lebensbedrohliche Komplikation. Zweitens das postthrombotische Syndrom, die häufigste Spätfolge bei 30 bis 50 Prozent der Patienten. Der Thrombus zerstört die Venenklappen dauerhaft, die Folge sind chronische Schwellungen, Schmerzen, Juckreiz, Hautveränderungen und im schlimmsten Fall ein offenes Bein. Drittens die Phlegmasia coerulea dolens, eine sehr seltene Notfallsituation, bei der der venöse Abfluss komplett blockiert ist und das Bein absterben kann.
Frage 11: Nenne die allgemeinen Risikofaktoren für eine TVT.
Allgemeine Risikofaktoren sind: Alter über 60 Jahre, besonders über 75, aktive Krebserkrankung, große Operation über 45 Minuten, Bettruhe über 72 Stunden, Adipositas mit BMI über 30, bekannte Krampfadern, bestehende Beinschwellung, VTE in der Familie, Antibabypille oder Hormonersatztherapie, Schwangerschaft, Rauchen, Flüssigkeitsmangel sowie genetische Gerinnungsstörungen wie Faktor-V-Leiden.
Frage 12: Nenne die allgemeinen Symptome einer TVT.
Die Symptome sind: einseitige Schwellung des Beins, Spannungs- und Schweregefühl, ziehende Schmerzen in der Wade beim Auftreten, Überwärmung, rötlich-blaue Hautverfärbung, also Zyanose, und hervortretende oberflächliche Venen, die Warnvenen. Wichtig: Eine Thrombose kann auch völlig symptomlos sein.
Frage 13: Nenne die allgemeinen Symptome einer Lungenembolie als Alarmzeichen.
Die Alarmzeichen sind: plötzliche schwere Atemnot, Brustschmerzen, Husten oft mit blutigem Auswurf, Herzrasen, Schwindel, Benommenheit oder plötzliche Ohnmacht sowie ein plötzliches starkes Angstgefühl. Bei diesen Symptomen sofort den Notarzt alarmieren.
Frage 14: Beschreibe die drei Säulen der Thromboseprophylaxe.
Säule 1: Basismaßnahmen – Frühmobilisation, ausreichend trinken, Information des Patienten. Säule 2: Physikalische Maßnahmen – Kompressionsverbände wie der Pütter-Verband, medizinische Thromboseprophylaxestrümpfe, intermittierende pneumatische Kompression. Säule 3: Medikamentöse Maßnahmen – Blutverdünner nach ärztlicher Anordnung, meist als Spritze unter die Haut, zum Beispiel Heparin.
Frage 15: Erkläre die Wirkungsweise und Ziele der Basismaßnahmen.
Frühmobilisation aktiviert die Wadenmuskelpumpe, die Muskeln drücken die Venen zusammen und pressen das Blut zum Herzen. Das verhindert eine Stase. Ziel ist, Thrombosen zu verhindern und den Kreislauf in Gang zu bringen. Ausreichendes Trinken hält das Blut flüssig, denn bei Flüssigkeitsmangel wird das Blut dickflüssig und die Thrombosegefahr steigt. Ziel ist, die Fließeigenschaften des Blutes zu verbessern.
Frage 16: Erkläre die Wirkungsweise und Ziele von Bewegungsübungen.
Bewegungsübungen wie Fußwippen, Kniebeugen oder Kreisen der Füße aktivieren die Wadenmuskelpumpe und verbessern den Blutrückfluss zum Herzen. Ziel ist, den Blutfluss zu beschleunigen, einen Blutstau zu verhindern und das Thromboserisiko zu senken. Geeignete Übungen sind Fußwippen, Kreisen der Füße, Kniebeugen im Sitzen und Anspannen der Waden.
Frage 17: Erkläre die Wirkungsweise und Ziele der Kompressionstherapie.
Die Kompressionstherapie übt von außen Druck auf das Bein aus. Dieser Druck presst die erweiterten Venen zusammen, die Venenklappen können wieder schließen, und der venöse Rückfluss wird beschleunigt. Ziele sind: Schwellungen reduzieren, Schmerzen lindern, Wundheilung verbessern und Komplikationen wie das postthrombotische Syndrom verhindern.
Frage 18: Vergleiche Antikoagulanzien und Thrombozytenaggregationshemmer.
Antikoagulanzien, auch Blutverdünner genannt, wirken auf die Gerinnungsfaktoren im Blutplasma. Beispiele sind Heparin und Marcumar. Sie werden zur Prophylaxe und Therapie von tiefen Venenthrombosen und Lungenembolien eingesetzt. Thrombozytenaggregationshemmer wirken auf die Blutplättchen und verhindern deren Verklumpung. Beispiele sind ASS und Clopidogrel. Sie werden bei arteriellen Erkrankungen wie nach Herzinfarkt oder Schlaganfall eingesetzt. Der wichtigste Unterschied: Antikoagulanzien sind die richtigen Mittel für die venöse Thromboseprophylaxe.
Frage 19: Formuliere Pflegeprobleme, -ziele und -maßnahmen zur Thromboseprophylaxe.
Pflegeproblem: Risiko für eine tiefe Venenthrombose aufgrund von Immobilität, Operation und Risikofaktoren wie Alter, Adipositas oder Krebs. Pflegeziel: Der Patient zeigt keine Zeichen einer Thrombose oder Lungenembolie oder ist über die Maßnahmen informiert und macht mit. Pflegemaßnahmen: Risikofaktoren mit dem Caprini-Score erfassen, Patienten über Frühmobilisation und Fußübungen informieren, auf ausreichendes Trinken achten, Thromboseprophylaxestrümpfe korrekt anlegen, Heparin-Spritzen geben, Beine täglich auf Schwellungen kontrollieren, bei Verdacht auf Thrombose sofort Arzt informieren, Bein ruhigstellen, nicht massieren, Bein hochlagern, Patienten über Alarmzeichen einer Lungenembolie informieren.
Frage 20: Materialien für einen Pütter-Verband nennen.
Man benötigt Schlauchverband, Watte, vier Pütterbinden, das sind Kurzzugbinden, davon zwei kurze und zwei lange, sowie Pflasterstreifen zum Fixieren. Keine Metallklammern verwenden.
Frage 21: Ablauf eines Pütter-Verbandes beschreiben.
Der Patient liegt 30 Minuten vorher. Schlauchverband und Watte an Knöcheln, Schienbein und Ferse anlegen. Sprunggelenk in 90-Grad-Stellung bringen. Erste Binde von innen nach außen um die Ferse wickeln, das ist der Fersenverschluss. Mit steilen Touren und ein bis zwei Zentimetern Überlappung bis kurz unters Knie wickeln. Zweite Binde gegenläufig, also von außen nach innen, wickeln. Von unten nach oben mit abnehmendem Druck wickeln, am Knöchel am festesten. Binde abrollen, nicht abwickeln. Mit Pflasterstreifen fixieren. DMS-Kontrolle durchführen, Patienten fragen, ob etwas einschnürt oder schmerzt.
Frage 22: Grundlegende Prinzipien des Kompressionsverbandes beschreiben.
Druckgefälle: Der Druck ist am Knöchel am stärksten und nimmt zum Knie hin ab. Das unterstützt den venösen Rückfluss. Gleichmäßiger Druck ohne Falten, Überlappung etwa ein bis zwei Zentimeter. Knochenvorsprünge wie Ferse, Schienbein und Knöchel polstern. Fixierung nur mit Pflasterstreifen, keine Metallklammern. Nach dem Anlegen DMS-Kontrolle, Patient darf nichts Einschnürendes spüren.
Frage 23: Warum muss der Patient 30 Minuten vor dem Anlegen liegen?
Damit der venöse Druck sinkt, das Blut abfließt und Schwellungen reduziert werden. Das Bein wird schmaler, der Verband sitzt optimaler und nicht zu locker. Ein sofort bei geschwollenen Beinen angelegter Verband wäre nach kurzer Zeit zu locker und wirkungslos.
Frage 24: Warum braucht man Schlauchverband und Watte?
Der Schlauchverband schützt die Haut vor Druck und Reibung, saugt Schweiß auf und verhindert Hautreizungen. Die Watte polstert die Knochenvorsprünge, verhindert Druckstellen, verteilt den Druck gleichmäßiger und verbessert die Kompressionswirkung.
Frage 25: Warum braucht man das Druckgefälle?
Das Druckgefälle, also mehr Druck am Knöchel und weniger am Knie, ist entscheidend für die Wirksamkeit. Es unterstützt den venösen Rückfluss aktiv, das Blut wird von unten nach oben ausgepresst. Wenn der Druck am Knie stärker wäre, würde das Blut im Bein gestaut werden und die Kompression wäre wirkungslos.
Frage 26: Was ist die DMS-Kontrolle? Gib für jeden Buchstaben ein Beispiel.
Die DMS-Kontrolle prüft, ob der Verband zu fest ist und Nerven oder Gefäße schädigt. D steht für Durchblutung, zum Beispiel Nagelbettprobe: Auf den Nagel der großen Zehe drücken, bis er weiß wird, die weiße Zone muss sich innerhalb von zwei bis drei Sekunden auflösen. M steht für Motorik, zum Beispiel: Bitte die Zehen hochziehen und in meine Hand drücken. Ist die Bewegung kraftvoll möglich? S steht für Sensibilität, zum Beispiel: Mit einem Finger über die Fußsohle streichen. Spüren Sie die Berührung auf beiden Seiten gleichmäßig?
Frage 27: Wann darf der Arzt keine Kompressionstherapie anordnen? Nenne die Kontraindikationen.
Bei fortgeschrittener peripherer arterieller Verschlusskrankheit, kurz pAVK, würde Druck die Durchblutung noch schlechter machen, das Bein könnte absterben. Bei schwerer dekompensierter Herzinsuffizienz würde die Mehrbelastung das geschwächte Herz überfordern, was zu Lungenödem oder Herzversagen führen kann. Bei septischer Phlebitis, einer bakteriellen Venenentzündung, könnte die Kompression die Bakterienausbreitung fördern. Bei Phlegmasia coerulea dolens, einem akuten Venenverschluss, ist der Abfluss komplett blockiert, Kompression würde die Situation verschlechtern.
Frage 28: Ein Patient hält Bewegungsübungen für unnötig, weil er Kompressionsstrümpfe trägt. Die Pflegekraft macht keine Übungen. Beurteile das Verhalten.
Das Verhalten der Pflegekraft ist falsch. Erstens haben Kompressionsstrümpfe und Bewegungsübungen unterschiedliche Wirkungen. Die Strümpfe drücken von außen, ersetzen aber nicht die aktive Muskelpumpe. Nur Bewegung aktiviert die Wadenmuskeln. Zweitens bestehen die drei Säulen der Thromboseprophylaxe aus Basismaßnahmen und physikalischen Maßnahmen, die sich ergänzen müssen. Beide sind wichtig, man darf sie nicht gegeneinander ausspielen.
Frage 29: Ein Patient lehnt die Kompressionsverbände über Nacht ab. Die Pflegekraft nimmt sie ab. Beurteile das Verhalten.
Das Verhalten der Pflegekraft ist falsch und gefährlich. Erstens wird bei bettlägerigen Patienten der venöse Rückfluss in der Nacht nicht ausreichend durch die Muskelpumpe unterstützt. Der Kompressionsverband ist der einzige kontinuierliche Schutz vor Blutstau und Thrombose, auch nachts. Zweitens ist der Patient bei nächtlicher Abnahme für acht bis zehn Stunden ungeschützt, das Thromboserisiko steigt massiv. Ein nächtliches Entfernen ohne ärztliche Anordnung ist ein schwerer Sicherheitsfehler, die Folge könnte eine Thrombose mit Lungenembolie sein.
Frage 30: Formuliere einen passenden Eintrag für den Pflegebericht.
Datum 15.05.2026, Patient Herr X., postoperativer Tag 2. Patient äußerte, dass er die Kompressionsverbände als sehr unbequem empfindet und sie nachts nicht tragen möchte. Die Pflegekraft erklärte die Notwendigkeit der nächtlichen Kompression zur Thromboseprophylaxe und wies auf die Gefahr einer Lungenembolie hin. Trotz Aufklärung lehnte der Patient die Verbände weiterhin ab. Der Stationsarzt Dr. Y. wurde informiert. Auf ärztliche Anordnung wurden die Verbände um 22 Uhr abgenommen. Beine inspiziert: keine Druckstellen, keine Schwellung, Durchblutung gut. Um 6 Uhr wurden die Verbände auf ärztliche Anordnung wieder neu angelegt. Der Patient wurde erneut über die Risiken aufgeklärt und stimmte zu. Gezeichnet: N. Mustermann, Pflegefachkraft.
Frage 31: Wäge die Argumente ab, wenn der Patient die Verbände nachts nicht will.
Argumente für den Patienten: Der Verband ist unbequem, drückt, stört den Schlaf, schränkt die Bewegung ein. Die nächtliche Abnahme würde sein Wohlbefinden verbessern. Argumente gegen die Abnahme: Ohne Kompression besteht ein massiv erhöhtes Thromboserisiko. Eine Thrombose kann zu einer lebensbedrohlichen Lungenembolie führen. Der Kompressionsverband ist bei Bettlägerigkeit der einzige mechanische Schutz in der Nacht. Abwägung: Das Wohlbefinden ist wichtig, aber die Patientensicherheit hat Vorrang. Das Thromboserisiko ist so hoch, dass die unbequeme Kompression in Kauf genommen werden muss. Die Pflegekraft sollte Alternativen anbieten, wie den Verband etwas lockerer zu machen oder Rücksprache mit dem Arzt zu halten. Die alleinige Abnahme ohne Rücksprache mit dem Arzt ist fahrlässig und gefährdet den Patienten.