Pflegeplanung

Pflegeplanung und Pflegeprozess

1. Was ist Pflegeplanung?

Die Pflegeplanung ist ein wichtiger Bestandteil des Pflegeprozesses. Sie beschreibt, welche individuellen Pflegeprobleme und Ressourcen eine pflegebedürftige Person hat, welche Ziele erreicht werden sollen und welche konkreten Pflegemaßnahmen dafür durchgeführt werden.

Die Pflegeplanung ist individuell, ressourcenorientiert und problemorientiert. Sie orientiert sich an den Bedürfnissen, Fähigkeiten, Gewohnheiten und Wünschen der pflegebedürftigen Person.

Ziel der Pflegeplanung ist es, eine strukturierte, nachvollziehbare, individuelle und kontinuierliche Pflege zu ermöglichen.

Eine gute Pflegeplanung beantwortet im Grunde fünf Fragen:

Was ist das Problem?

Welche Ressourcen sind vorhanden?

Was soll erreicht werden?

Was soll dafür getan werden?

Wurde das Ziel erreicht?

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2. Der Pflegeprozess

Der Pflegeprozess ist ein systematisches Vorgehen, mit dem die Pflege geplant, durchgeführt und überprüft wird.

Er besteht aus mehreren miteinander verbundenen Schritten:

1. Informationssammlung und Pflegeanamnese

2. Erkennen und Beschreiben von Pflegeproblemen und Ressourcen

3. Festlegen von Pflegezielen

4. Planung der Pflegemaßnahmen

5. Durchführung der Maßnahmen

6. Evaluation und Anpassung der Pflegeplanung

Der Pflegeprozess ist kein einmaliger Vorgang. Er ist ein kontinuierlicher Kreislauf.

Nach der Evaluation kann sich die Situation der pflegebedürftigen Person verändert haben. Deshalb müssen Pflegeprobleme, Ziele und Maßnahmen regelmäßig überprüft und gegebenenfalls angepasst werden.

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3. Informationssammlung

Am Anfang des Pflegeprozesses steht die Informationssammlung.

Dabei werden alle relevanten Informationen über die pflegebedürftige Person gesammelt.

Dazu gehören zum Beispiel:

- körperliche Situation

- psychische Situation

- soziale Situation

- medizinische Diagnosen

- aktuelle Beschwerden

- Medikamente

- Mobilität

- Ernährung und Flüssigkeitsaufnahme

- Ausscheidung

- Schlaf

- Körperpflege

- Orientierung und Kognition

- Kommunikation

- soziale Kontakte

- Gewohnheiten

- Bedürfnisse

- Wünsche

- Ängste

- vorhandene Fähigkeiten

- vorhandene Hilfsmittel

- Ressourcen

- Risiken und Gefährdungen

Die Informationen können durch verschiedene Quellen gewonnen werden:

- Gespräch mit der pflegebedürftigen Person

- Beobachtung

- körperliche Einschätzung

- Pflegedokumentation

- ärztliche Dokumentation

- Gespräch mit Angehörigen

- Informationen von anderen Berufsgruppen

Dabei sollte man möglichst immer die pflegebedürftige Person selbst als wichtigste Informationsquelle betrachten.

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4. Subjektive und objektive Informationen

Bei der Informationssammlung unterscheidet man zwischen subjektiven und objektiven Informationen.

Subjektive Informationen sind persönliche Wahrnehmungen und Aussagen der pflegebedürftigen Person.

Beispiele:

„Ich habe starke Schmerzen.“

„Ich habe Angst zu stürzen.“

„Ich fühle mich sehr schwach.“

Objektive Informationen sind beobachtbare oder messbare Tatsachen.

Beispiele:

Blutdruck 140/90 mmHg.

Körpertemperatur 38,2 °C.

Die Person benötigt beim Aufstehen Unterstützung.

Die Haut am Kreuzbein ist gerötet.

Beide Arten von Informationen sind für die Pflegeplanung wichtig.

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5. Pflegeprobleme

Ein Pflegeproblem beschreibt eine Beeinträchtigung oder ein Risiko, bei dem die pflegebedürftige Person Unterstützung durch die Pflege benötigt.

Man unterscheidet verschiedene Arten von Pflegeproblemen.

Aktuelle Pflegeprobleme

Ein aktuelles Pflegeproblem besteht bereits.

Beispiel:

Die Patientin kann aufgrund einer Hüftoperation nicht selbstständig aufstehen.

Potenzielle Pflegeprobleme

Ein potenzielles Pflegeproblem besteht noch nicht, aber es besteht ein Risiko.

Beispiel:

Aufgrund eingeschränkter Mobilität besteht ein erhöhtes Sturzrisiko.

Individuelle Pflegeprobleme

Diese Probleme betreffen eine bestimmte Person und ihre individuelle Situation.

Beispiel:

Herr Müller kann aufgrund seiner Angst nicht alleine mobilisieren.

Allgemeine Pflegeprobleme

Diese können bei vielen Menschen mit einer bestimmten Situation auftreten.

Beispiel:

Nach einer Operation besteht häufig ein erhöhtes Risiko für Komplikationen.

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6. Ressourcen

Ressourcen sind Fähigkeiten, Möglichkeiten, Stärken und unterstützende Faktoren, die eine pflegebedürftige Person besitzt.

Ressourcen können körperlich, psychisch, sozial oder materiell sein.

Beispiele:

- Die Person kann selbstständig essen.

- Die Person kann sich teilweise selbst waschen.

- Die Person kann mit einem Rollator gehen.

- Die Person ist orientiert.

- Die Person kann ihre Bedürfnisse äußern.

- Die Person ist motiviert.

- Angehörige unterstützen die Person.

- Die Person besitzt ein geeignetes Hilfsmittel.

Ressourcen sind besonders wichtig, weil Pflege nicht bedeutet, dem Menschen alles abzunehmen.

Das zentrale Prinzip lautet:

So viel Selbstständigkeit wie möglich, so viel Unterstützung wie nötig.

Die vorhandenen Fähigkeiten sollen erhalten, gefördert und möglichst erweitert werden.

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7. Ressourcenorientierte Pflege

Bei einer ressourcenorientierten Pflege konzentriert man sich nicht nur auf die Defizite, sondern auch auf die Fähigkeiten der pflegebedürftigen Person.

Beispiel:

Nicht:

„Frau Müller kann sich nicht selbstständig waschen.“

Besser:

„Frau Müller kann Gesicht, Oberkörper und Arme selbstständig waschen. Für die Pflege der Beine und des Rückens benötigt sie Unterstützung.“

Die zweite Formulierung zeigt sowohl das Problem als auch die vorhandenen Ressourcen.

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8. ABEDL nach Monika Krohwinkel

Ein wichtiges Modell für die Pflegeplanung ist das Modell der ABEDL – Aktivitäten, Beziehungen und existenzielle Erfahrungen des Lebens nach Monika Krohwinkel.

Die 13 ABEDL sind:

1. Kommunizieren können

2. Sich bewegen können

3. Vitale Funktionen des Lebens aufrechterhalten können

4. Sich pflegen können

5. Essen und trinken können

6. Ausscheiden können

7. Sich kleiden können

8. Ruhen, schlafen und sich entspannen können

9. Sich beschäftigen, lernen und sich entwickeln können

10. Sich als Frau oder Mann fühlen und verhalten können

11. Für eine sichere und fördernde Umgebung sorgen können

12. Soziale Bereiche des Lebens sichern können

13. Mit existenziellen Erfahrungen des Lebens umgehen können

Die ABEDL helfen dabei, die pflegebedürftige Person ganzheitlich zu betrachten.

Man betrachtet also nicht nur die Krankheit, sondern den Menschen in seiner gesamten Lebenssituation.

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9. Ganzheitliche Pflege

Ganzheitliche Pflege bedeutet, dass der Mensch nicht nur auf seine körperlichen Beschwerden reduziert wird.

Berücksichtigt werden:

- körperliche Bedürfnisse

- psychische Bedürfnisse

- soziale Bedürfnisse

- kulturelle Bedürfnisse

- individuelle Gewohnheiten

- persönliche Werte

- Wünsche und Bedürfnisse

- Selbstständigkeit

- Lebensgeschichte

Beispiel:

Bei einem Patienten nach einer Operation betrachtet man nicht nur die Operationswunde.

Man berücksichtigt auch Schmerzen, Mobilität, Angst, Schlaf, Ernährung, Selbstständigkeit, soziale Kontakte und den Umgang mit der neuen Situation.

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10. PESR-Schema

Für die Formulierung von Pflegeproblemen kann das PESR-Schema verwendet werden.

P steht für Problem.

E steht für Einflussfaktoren oder Ursachen.

S steht für Symptome.

R steht für Ressourcen.

Ein Pflegeproblem kann also folgendermaßen aufgebaut werden:

P – Problem

Was ist beeinträchtigt?

E – Einflussfaktoren

Warum besteht das Problem?

S – Symptome

Woran erkennt man das Problem?

R – Ressourcen

Welche Fähigkeiten sind noch vorhanden?

Beispiel:

P: Beeinträchtigte Mobilität.

E: Zustand nach Knie-TEP und Schmerzen.

S: Patient kann nur mit Unterstützung aufstehen und wenige Meter gehen.

R: Patient ist motiviert und kann mit einem Rollator gehen.

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11. SMART-Ziele

Pflegeziele sollten möglichst nach der SMART-Regel formuliert werden.

SMART bedeutet:

S – Spezifisch

Das Ziel muss eindeutig und konkret formuliert sein.

Nicht:

„Der Patient soll sich besser bewegen.“

Besser:

„Der Patient mobilisiert sich mit dem Rollator vom Bett bis zum Badezimmer.“

M – Messbar

Es muss überprüfbar sein, ob das Ziel erreicht wurde.

Beispiel:

„Der Patient geht dreimal täglich 20 Meter mit dem Rollator.“

A – Attraktiv beziehungsweise akzeptiert

Das Ziel sollte für die pflegebedürftige Person sinnvoll und akzeptabel sein.

Die Person sollte möglichst in die Zielsetzung einbezogen werden.

R – Realistisch

Das Ziel muss unter den gegebenen Bedingungen erreichbar sein.

Bei einem Patienten am ersten Tag nach einer schweren Operation wäre es beispielsweise unrealistisch, sofort eine vollständige selbstständige Mobilität zu erwarten.

T – Terminiert

Es wird festgelegt, bis wann das Ziel erreicht werden soll.

Beispiel:

„Bis zum Ende der nächsten sieben Tage kann der Patient selbstständig mit dem Rollator zum Badezimmer gehen.“

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12. Nahziele und Fernziele

Man unterscheidet zwischen Nahzielen und Fernzielen.

Ein Nahziel soll innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums erreicht werden.

Beispiel:

„Frau Müller steht innerhalb von zwei Tagen mit Unterstützung sicher vom Bett auf.“

Ein Fernziel beschreibt einen Zustand, der langfristig erreicht werden soll.

Beispiel:

„Frau Müller kann sich nach der Rehabilitation wieder weitgehend selbstständig im Alltag bewegen.“

Nahziele können dabei Schritte auf dem Weg zum Fernziel sein.

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13. Pflegeziele richtig formulieren

Ein Pflegeziel sollte möglichst:

- konkret

- realistisch

- überprüfbar

- zeitlich festgelegt

- patientenorientiert

- ressourcenorientiert

sein.

Das Ziel sollte außerdem möglichst beschreiben, was die pflegebedürftige Person selbst erreicht.

Nicht:

„Die Pflegekraft mobilisiert den Patienten.“

Das ist eine Maßnahme.

Besser:

„Der Patient kann innerhalb von drei Tagen mit Unterstützung vom Bett zum Stuhl gehen.“

Das ist ein Pflegeziel.

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14. Pflegemaßnahmen

Pflegemaßnahmen beschreiben konkret, was die Pflegekraft tut, um das Pflegeziel zu erreichen.

Eine gute Maßnahme beantwortet möglichst:

Wer?

Was?

Wie?

Wann?

Wie oft?

Womit?

Unter welchen Bedingungen?

Beispiel:

„Die Pflegekraft mobilisiert Frau Müller morgens und nachmittags unter Verwendung des Rollators vom Bett zum Badezimmer und unterstützt sie nur bei den notwendigen Bewegungsabläufen.“

Eine Maßnahme sollte möglichst konkret und eindeutig formuliert werden.

Nicht:

„Patient regelmäßig mobilisieren.“

Besser:

„Die Pflegekraft mobilisiert den Patienten dreimal täglich mit dem Rollator für jeweils mindestens zehn Minuten und beobachtet dabei Gangbild, Schmerzen und Belastbarkeit.“

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15. Pflegeziele und Pflegemaßnahmen unterscheiden

Diese Unterscheidung ist sehr wichtig.

Das Pflegeziel beschreibt den gewünschten Zustand.

Die Pflegemaßnahme beschreibt den Weg dorthin.

Beispiel:

Pflegeproblem:

Eingeschränkte Mobilität aufgrund von Schmerzen nach einer Knieoperation.

Pflegeziel:

Der Patient kann innerhalb von drei Tagen selbstständig mit dem Rollator vom Bett zum Badezimmer gehen.

Pflegemaßnahme:

Die Pflegekraft mobilisiert den Patienten dreimal täglich mit dem Rollator und unterstützt ihn bei Bedarf.

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16. Evaluation

Die Evaluation ist die Überprüfung der Pflege.

Dabei wird festgestellt:

- Wurde das Pflegeziel erreicht?

- Wurde das Ziel teilweise erreicht?

- Wurde das Ziel nicht erreicht?

- Waren die Maßnahmen geeignet?

- Waren die Maßnahmen ausreichend?

- Hat sich die Situation verändert?

- Gibt es neue Pflegeprobleme?

- Haben sich Ressourcen verändert?

- Muss die Pflegeplanung angepasst werden?

Wenn ein Ziel nicht erreicht wurde, bedeutet das nicht automatisch, dass die Pflege schlecht war.

Man muss analysieren, warum das Ziel nicht erreicht wurde.

Mögliche Gründe:

- Ziel war zu hoch gesetzt.

- Maßnahmen waren nicht geeignet.

- Maßnahmen waren nicht ausreichend.

- Patient hatte Schmerzen.

- Gesundheitszustand hat sich verschlechtert.

- Patient war nicht motiviert.

- Es sind neue Probleme aufgetreten.

Danach wird die Pflegeplanung angepasst.

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17. Evaluation ist kein einmaliger Vorgang

Die Evaluation findet regelmäßig statt.

Der Pflegeprozess ist deshalb ein Kreislauf:

Informationssammlung → Pflegeprobleme und Ressourcen → Pflegeziele → Pflegemaßnahmen → Durchführung → Evaluation → neue Informationssammlung und Anpassung.

Die Pflegeplanung muss an die aktuelle Situation angepasst werden.

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18. Pflegediagnose

Eine Pflegediagnose beschreibt eine menschliche Reaktion auf einen Gesundheitszustand oder eine Lebenssituation, bei der pflegerische Unterstützung notwendig ist.

Eine medizinische Diagnose und eine Pflegediagnose sind nicht dasselbe.

Eine medizinische Diagnose beschreibt eine Krankheit oder einen pathologischen Zustand.

Beispiele:

- Pneumonie

- Diabetes mellitus

- Kniearthrose

- Herzinsuffizienz

Eine pflegerische Diagnose beziehungsweise ein Pflegeproblem beschreibt dagegen die Auswirkungen dieser Situation auf den Menschen.

Beispiel:

Medizinische Diagnose:

Knie-TEP nach Gonarthrose.

Pflegeproblem:

Beeinträchtigte Mobilität aufgrund von Schmerzen und eingeschränkter Belastbarkeit.

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19. Pflegeplanung nach dem Prinzip der Individualisierung

Jeder Mensch ist unterschiedlich.

Deshalb darf eine Pflegeplanung nicht einfach für jeden Patienten identisch übernommen werden.

Man muss berücksichtigen:

- Alter

- Gesundheitszustand

- Fähigkeiten

- Gewohnheiten

- Bedürfnisse

- Wünsche

- Lebensgeschichte

- kultureller Hintergrund

- soziales Umfeld

- Motivation

- vorhandene Ressourcen

Eine gute Pflegeplanung ist deshalb immer individuell.

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20. Prophylaxen in der Pflegeplanung

Pflegeplanung beinhaltet auch die Erkennung von Risiken und die Planung geeigneter prophylaktischer Maßnahmen.

Wichtige Prophylaxen im ersten Ausbildungsjahr sind:

Dekubitusprophylaxe

Sturzprophylaxe

Thromboseprophylaxe

Pneumonieprophylaxe

Kontrakturenprophylaxe

Obstipationsprophylaxe

Dehydrationsprophylaxe

Aspirationsprophylaxe

Intertrigoprophylaxe

Eine Prophylaxe wird nicht automatisch bei jedem Patienten durchgeführt.

Zuerst muss das individuelle Risiko eingeschätzt werden.

Beispiel:

Patient mit eingeschränkter Mobilität und längerer Bettlägerigkeit → erhöhtes Risiko für Thrombose und Dekubitus.

Dann werden passende Maßnahmen geplant.

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21. Ressourcen bei Prophylaxen

Auch bei Prophylaxen sollte ressourcenorientiert gearbeitet werden.

Beispiel:

Patient kann seine Beine selbstständig bewegen.

Diese Ressource kann für die Thromboseprophylaxe genutzt werden.

Die Pflegekraft sollte nicht jede Bewegung übernehmen, sondern den Patienten zur selbstständigen Bewegung anleiten und motivieren.

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22. Pflegeplanung und Expertenstandards

Bei der Pflegeplanung spielen die DNQP-Expertenstandards eine wichtige Rolle.

Sie unterstützen Pflegefachkräfte dabei, Pflege auf wissenschaftlich begründeter Grundlage durchzuführen.

Beispiele für wichtige Expertenstandards:

- Dekubitusprophylaxe

- Sturzprophylaxe

- Schmerzmanagement

- Ernährungsmanagement

- Förderung der Harnkontinenz

- Pflege von Menschen mit chronischen Wunden

- Entlassungsmanagement

- Beziehungsgestaltung bei Menschen mit Demenz

- Förderung der Mundgesundheit

Expertenstandards geben Orientierung, ersetzen aber nicht die individuelle Pflegeplanung.

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23. Dokumentation

Pflege muss nachvollziehbar dokumentiert werden.

Dokumentiert werden beispielsweise:

- Beobachtungen

- Pflegeprobleme

- Ressourcen

- durchgeführte Maßnahmen

- Veränderungen des Zustands

- Schmerzen

- Vitalzeichen

- Ausscheidung

- Ernährung und Flüssigkeit

- Mobilität

- Prophylaxen

- besondere Ereignisse

- Evaluation

Die Dokumentation sollte:

- sachlich

- korrekt

- nachvollziehbar

- zeitnah

- vollständig

- objektiv

- verständlich

sein.

Es sollten keine persönlichen Bewertungen oder unbegründeten Vermutungen dokumentiert werden.

Nicht:

„Patient ist schwierig.“

Besser:

„Patient lehnt die Mobilisation trotz mehrfacher Erklärung ab und äußert: ‚Ich möchte heute nicht aufstehen.‘“

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24. Rechtliche Bedeutung der Dokumentation

Die Pflegedokumentation hat nicht nur eine pflegerische, sondern auch eine rechtliche Bedeutung.

Ein wichtiger Grundsatz lautet:

Was nicht dokumentiert wurde, kann im Streitfall schwer nachgewiesen werden.

Deshalb müssen relevante pflegerische Maßnahmen und Beobachtungen korrekt dokumentiert werden.

Gleichzeitig gilt:

Nur das dokumentieren, was tatsächlich beobachtet, durchgeführt oder mitgeteilt wurde.

Keine nachträglichen Erfindungen und keine falschen Angaben.

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25. Pflegeplanung und Selbstbestimmung

Die pflegebedürftige Person soll möglichst in die Pflegeplanung einbezogen werden.

Die Pflegekraft darf nicht einfach entscheiden, was für den Patienten „am besten“ ist.

Wichtig sind:

- Selbstbestimmung

- Wünsche

- Bedürfnisse

- persönliche Ziele

- Einwilligung

- Förderung der Selbstständigkeit

Beispiel:

Ein Patient möchte möglichst schnell wieder selbstständig zur Toilette gehen.

Dieses persönliche Ziel sollte bei der Pflegeplanung berücksichtigt werden.

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26. Ressourcenförderung statt Übernahme

Eine zentrale Frage bei jeder Pflegemaßnahme lautet:

Was kann die Person noch selbstständig?

Wenn ein Patient beispielsweise sein Gesicht selbst waschen kann, sollte die Pflegekraft diese Tätigkeit nicht übernehmen.

Die Pflegekraft unterstützt nur dort, wo Hilfe notwendig ist.

Das fördert:

- Selbstständigkeit

- Selbstvertrauen

- Mobilität

- Selbstwirksamkeit

- Erhalt vorhandener Fähigkeiten

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27. Beispiel einer vollständigen Pflegeplanung

Situation:

Frau Müller ist nach einer Knie-TEP in ihrer Mobilität eingeschränkt. Sie hat Schmerzen und benötigt Unterstützung beim Aufstehen. Sie kann mit einem Rollator kurze Strecken gehen und ist motiviert.

Pflegeproblem:

Beeinträchtigte Mobilität aufgrund von Schmerzen und eingeschränkter Belastbarkeit nach Knie-TEP.

Symptome:

Frau Müller benötigt beim Aufstehen Unterstützung und kann nur kurze Strecken mit dem Rollator zurücklegen.

Ressourcen:

Frau Müller ist orientiert, motiviert und kann mit dem Rollator kurze Strecken selbstständig gehen.

Pflegeziel:

Frau Müller kann innerhalb von drei Tagen mit dem Rollator sicher vom Bett zum Badezimmer gehen und benötigt dabei nur noch geringe Unterstützung.

Pflegemaßnahmen:

Die Pflegekraft mobilisiert Frau Müller dreimal täglich mit dem Rollator.

Die Pflegekraft erklärt vor jeder Mobilisation den Ablauf und achtet auf die individuellen Fähigkeiten der Patientin.

Die Pflegekraft unterstützt Frau Müller nur bei den Bewegungsabläufen, die sie nicht selbstständig durchführen kann.

Während der Mobilisation beobachtet die Pflegekraft Schmerzen, Gangbild, Belastbarkeit und Sicherheit.

Bei Schmerzen wird die Schmerzintensität erfragt und entsprechend der ärztlichen beziehungsweise pflegerischen Anordnung gehandelt.

Die Patientin wird zur selbstständigen Bewegung im Rahmen ihrer Möglichkeiten motiviert.

Evaluation:

Nach drei Tagen wird überprüft, ob Frau Müller das Badezimmer mit dem Rollator sicher erreichen kann und wie viel Unterstützung sie noch benötigt.

Wenn das Ziel erreicht wurde, kann ein neues beziehungsweise weiterführendes Ziel formuliert werden.

Wenn das Ziel nicht erreicht wurde, müssen die Gründe analysiert und die Pflegeplanung angepasst werden.

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28. Häufige Fehler bei einer Pflegeplanung

Ein häufiger Fehler ist, Pflegeprobleme zu allgemein zu formulieren.

Schlecht:

„Patient ist immobil.“

Besser:

„Patient benötigt aufgrund von Schmerzen nach einer Knieoperation Unterstützung beim Aufstehen und kann nur kurze Strecken mit dem Rollator gehen.“

Ein weiterer Fehler sind nicht überprüfbare Ziele.

Schlecht:

„Patient soll sich besser fühlen.“

Besser:

„Patient gibt seine Schmerzen innerhalb von 30 Minuten nach der Maßnahme mit höchstens 3 von 10 Punkten an.“

Ein weiterer Fehler ist die Verwechslung von Ziel und Maßnahme.

„Patient wird zweimal täglich mobilisiert“ ist kein Ziel, sondern eine Maßnahme.

„Patient kann zweimal täglich 20 Meter mit dem Rollator gehen“ ist ein Ziel.

Ein weiterer Fehler ist, Ressourcen zu vergessen.

Eine Pflegeplanung sollte nicht nur Defizite aufzählen.

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29. Die wichtigsten Begriffe

Pflegeproblem: Eine bestehende Beeinträchtigung oder ein Risiko, bei dem pflegerische Unterstützung notwendig ist.

Ressource: Eine vorhandene Fähigkeit, Stärke oder Unterstützungsmöglichkeit.

Pflegeziel: Der gewünschte Zustand, der durch die Pflege erreicht werden soll.

Pflegemaßnahme: Eine konkrete Handlung zur Erreichung des Pflegeziels.

Evaluation: Überprüfung, ob das Pflegeziel erreicht wurde und ob die Maßnahmen wirksam waren.

Pflegeprozess: Systematischer Kreislauf aus Informationssammlung, Planung, Durchführung und Evaluation.

ABEDL: Modell nach Monika Krohwinkel zur ganzheitlichen Betrachtung der Aktivitäten, Beziehungen und existenziellen Erfahrungen des Lebens.

PESR: Schema zur strukturierten Beschreibung eines Pflegeproblems.

SMART: Methode zur Formulierung konkreter und überprüfbarer Pflegeziele.

Ressourcenorientierung: Konzentration auf vorhandene Fähigkeiten und Möglichkeiten statt ausschließlich auf Defizite.

Individualisierung: Anpassung der Pflege an die konkrete Person und ihre individuelle Situation.

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30. Was du für das 1. Ausbildungsjahr unbedingt können solltest

Du solltest erklären können, was der Pflegeprozess ist und warum er wichtig ist.

Du solltest die einzelnen Schritte des Pflegeprozesses nennen und erklären können.

Du solltest Pflegeprobleme und Ressourcen erkennen und voneinander unterscheiden können.

Du solltest aktuelle und potenzielle Pflegeprobleme unterscheiden können.

Du solltest das PESR-Schema erklären und anwenden können.

Du solltest die 13 ABEDL nach Krohwinkel kennen.

Du solltest SMART erklären und ein SMARTes Pflegeziel formulieren können.

Du solltest Pflegeziele und Pflegemaßnahmen unterscheiden können.

Du solltest konkrete Pflegemaßnahmen formulieren können.

Du solltest Nah- und Fernziele unterscheiden können.

Du solltest erklären können, was Evaluation bedeutet.

Du solltest erklären können, warum Pflegeplanung regelmäßig angepasst werden muss.

Du solltest ressourcenorientierte und aktivierende Pflege erklären können.

Du solltest wichtige Prophylaxen kennen und Risiken erkennen können.

Du solltest die Bedeutung der Expertenstandards für die Pflege erklären können.

Du solltest wissen, welche Bedeutung eine korrekte Pflegedokumentation hat.

Du solltest erklären können, warum die Selbstbestimmung und die individuellen Bedürfnisse des Patienten bei der Pflegeplanung berücksichtigt werden müssen.

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Merksatz für die Prüfung

Pflegeprozess = Informationen sammeln → Probleme und Ressourcen erkennen → Ziele festlegen → Maßnahmen planen → Maßnahmen durchführen → Evaluation → Pflegeplanung anpassen.

Pflegeproblem = Was ist beeinträchtigt?

Ursache = Warum besteht das Problem?

Symptome = Woran erkenne ich das Problem?

Ressource = Was kann der Mensch noch selbst?

Pflegeziel = Was soll erreicht werden?

Pflegemaßnahme = Was tun wir dafür?

Evaluation = Hat es funktioniert?

Das wichtigste Prinzip lautet:

Nicht für den Menschen tun, was er selbst tun kann, sondern ihn dabei unterstützen, seine Selbstständigkeit zu erhalten und zu fördern.