Prä-und postoperative Pflege Klausur
1. Schmerzmanagement und Pain Nurse
Was ist eine Pain Nurse?
Eine Pain Nurse (Schmerzmanager/in) ist eine spezialisierte Pflegefachkraft, die sich intensiv um die Erfassung, Behandlung und Beratung von Patienten mit akuten oder chronischen Schmerzen kümmert. Sie ist die Schnittstelle zwischen Arzt und Pflegepersonal, optimiert Schmerztherapien, führt Schmerzassessments durch und schult Kollegen.
Hauptaufgaben einer Pain Nurse:
· Schmerzassessment: Systematische Erfassung und Dokumentation von Schmerzen (z.B. mit Schmerzskalen).
· Visiten: Täglicher Besuch von Schmerzpatienten, besonders frisch Operierten.
· Therapieanpassung: Individuelle Anpassung der Schmerzmedikation (z.B. bei Schmerzpumpen) in Absprache mit Ärzten.
· Beratung & Edukation: Aufklärung von Patienten und Angehörigen über Schmerzursachen und den Umgang damit.
· Multiplikatorfunktion: Schulung der Pflegeteams im Umgang mit Schmerzstandards.
Schmerzskalen (wichtig für die Klausur!)
Schmerz ist subjektiv! Deshalb braucht man Instrumente. Wichtig: Immer die gleiche Skala beim gleichen Patienten verwenden.
· Numerische Rating-Skala (NRS): Der Patient nennt eine Zahl von 0 (kein Schmerz) bis 10 (stärkster Schmerz). Standard für Erwachsene, die kommunizieren können.
· Visuelle Analog-Skala (VAS): Eine 10 cm lange Linie. Der Patient markiert seine Schmerzstärke. Der Abstand wird dann in cm gemessen.
· Verbale Rating-Skala (VRS): Der Patient wählt Wörter aus: "kein Schmerz", "leichter Schmerz", "mittelmäßiger Schmerz", "starker Schmerz", "unerträglicher Schmerz".
· Smiley-Analog-Skala (SAS) / Faces Pain Scale: Skala mit Gesichtern (Smileys). Ideal für Kinder oder Menschen mit Sprachbarrieren.
· Fremdeinschätzungsskalen (z.B. BESD, ECPA): Für Patienten mit Demenz oder beatmete Patienten. Hier schätzt die Pflegekraft den Schmerz anhand von Verhalten, Mimik, Körperhaltung und Lautäußerungen ein.
Wichtige Grundsätze:
· Subjektivität: "Schmerz ist das, was der Betroffene über die Schmerzen mitteilt, sie sind vorhanden, wenn der Patient mit Schmerzen sagt, dass er Schmerzen hat."
· Kontinuität: Es soll immer dieselbe Skala verwendet werden.
Expertenstandard Schmerzmanagement (Auszug aus deinem Dokument)
· Zielsetzung: Jeder Mensch mit Schmerzen erhält ein individuell angepasstes Schmerzmanagement, das der Chronifizierung vorbeugt, Schmerzen beseitigt und eine akzeptable Schmerzsituation zur bestmöglichen Lebensqualität beiträgt.
· Prozesskriterien (P) im Standard:
· P1a: Screening bei Aufnahme: Hat der Patient Schmerzen?
· P1b: Assessment mit Instrumenten (NRS, etc.) durchführen.
· P4a: Die Pflegefachkraft führt die medikamentösen Maßnahmen nach ärztlicher Verordnung durch und beobachtet Nebenwirkungen.
· P4b: Die Pflegefachkraft wendet nicht-medikamentöse Maßnahmen an.
Schmerzanatomie (kurz gefasst)
· Nozizeptoren: Freie Nervenendigungen, die auf Gewebsschädigung reagieren.
· Schmerzarten:
· Somatischer Schmerz: Von Haut, Muskeln, Knochen (gut lokalisierbar, stechend/dumpf).
· Viszeraler Schmerz: Von inneren Organen (dumpf, krampfartig, schlecht lokalisierbar).
· Neuropathischer Schmerz: Durch Nervenschädigung (brennend, einschießend).
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2. Rechtliche Rahmenbedingungen (Aufklärung und Einwilligung)
Grundsatz (ganz wichtig!):
Jede medizinische Maßnahme (Untersuchung, OP) ist juristisch erst einmal eine vorsätzliche Körperverletzung. Sie ist nur dann rechtmäßig, wenn der Patient vorher wirksam eingewilligt hat. Die Einwilligung ist nur wirksam, wenn der Patient vorher aufgeklärt wurde.
Die Aufklärung:
· Sie muss durch den Arzt erfolgen (nicht durch die Pflegekraft!).
· Sie muss mündlich erfolgen. Ein Aufklärungsbogen ist nur Ergänzung.
· Sie muss rechtzeitig erfolgen. Bei geplanten OPs bedeutet das in der Regel: Die Aufklärung und Einwilligung müssen mindestens 24 Stunden vor dem geplanten Eingriff vorliegen, damit der Patient ausreichend Zeit hat, in Ruhe zu entscheiden. Bei ambulanten OPs gibt es Ausnahmen, aber auch da muss es "rechtzeitig" sein.
· Inhalt der Aufklärung (was muss der Arzt sagen?):
· Art, Umfang und Schwere des Eingriffs.
· Voraussichtlicher Verlauf der Operation.
· Typische und mögliche Risiken und Komplikationen.
· Folgen und Erfolgsaussichten.
· Mögliche Behandlungsalternativen.
Die Einwilligung:
· Der Patient muss einwilligungsfähig sein (das bedeutet nicht volljährig! Auch ein Kind kann einwilligungsfähig sein, wenn es die Reife hat, die Situation zu verstehen).
· Die Einwilligung kann jederzeit und formlos widerrufen werden (auch noch auf dem Weg zum OP!).
Wer unterschreibt bei Kindern?
· Bei Kindern unter 14 Jahren (je nach Reife) müssen die Eltern (Sorgeberechtigte) unterschreiben.
· Bei Jugendlichen ab 14-15 Jahren wird oft die Einwilligung des Jugendlichen UND der Eltern eingeholt.
Die Identitätssicherung (Check vor OP):
Der Patient muss sich vor der Operation eindeutig identifizieren. Dazu dient der Patientenidentifikationsarmband (meist mit Name, Geburtsdatum, Barcode) . Vor jeder Gabe von Medikamenten, Blutprodukten oder vor dem Transfer in den OP wird die Identität am Armband geprüft.
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3. Kinderrechte im Krankenhaus: Die EACH-Charta
Die EACH-Charta beschreibt die Rechte aller Kinder vor, während und nach einem Krankenhausaufenthalt. Die wichtigsten Artikel für die Pflege:
· Artikel 1: Krankenhausaufenthalt soll nur wenn nötig (ambulant vor stationär).
· Artikel 2: Kinder haben das Recht, ihre Eltern jederzeit bei sich zu haben (auch nachts, bei Untersuchungen, Narkoseeinleitung, Aufwachen).
· Artikel 3: Eltern soll die Mitaufnahme angeboten werden, ohne zusätzliche Kosten für sie. Sie sollen über die Pflege informiert werden und aktiv teilnehmen können.
· Artikel 4: Kinder und Eltern haben das Recht, in verständlicher Art (altersentsprechend) informiert zu werden.
· Artikel 5: Kinder und Eltern haben das Recht, in alle Entscheidungen der Gesundheitsfürsorge einbezogen zu werden.
· Artikel 6: Kinder sollen mit anderen Kindern berteut werden.
· Artikel 7: Kinder haben das Recht auf eine Umgebung, die ihrem Alter entspricht (Spiel, Erholung, Schule).
· Artikel 8: Kinder sollen von spezialisiertem Personal betreut werden, das Einfühlungsvermögen für kindliche Bedürfnisse hat.
Artikel 9:
Die Kontinuität der Pflege kranker Kinder soll durch ein Team sichergestellt sein.
(Die Behandlung und Pflege eines kranken Kindes soll nicht ständig wechselnden Personen überlassen werden).
· Artikel 10: Kinder sollen mit Takt behandelt werden, ihre Intimsphäre muss respektiert werden.
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4. Krankenhausökonomie: DRG, ICD, OPS (wie wird abgerechnet?)
Das System heißt DRG = Diagnosis Related Groups (Diagnosebezogene Fallgruppen).
Es ist ein pauschaliertes Abrechnungssystem für Krankenhäuser.
Wie funktioniert es?
Das Krankenhaus bekommt für einen Behandlungsfall keine Rechnung über jede einzelne Leistung, sondern einen festen Preis (Fallpauschale) , der sich nach der Diagnose und der durchgeführten Prozedur richtet.
Die wichtigsten Codes:
1. ICD-10 (International Statistical Classification of Diseases):
· Das ist der Code für die Diagnose des Patienten.
· Beispiel: "J44.81" für eine bestimmte Form der COPD.
· Wichtig: Die Diagnose wird vom Arzt verschlüsselt. Es gibt 22 Kapitel. Kapitel XI (K00-K93) sind Krankheiten des Verdauungssystems.
2. OPS (Operationen- und Prozedurenschlüssel):
· Das ist der Code für die durchgeführte Operation oder Prozedur.
· Beispiel: "5-470" für eine Appendektomie (Entfernung des Blinddarms).
So entsteht die DRG:
Aus der Kombination von ICD (Diagnose) + OPS (Prozedur) + Alter + Verweildauer wird am Computer eine DRG errechnet.
Was bedeutet das für die Pflege?
Die Pflege dokumentiert den Zustand und die erbrachten Leistungen. Diese Dokumentation fließt indirekt in die Berechnung der Schwere der Erkrankung (und damit der DRG) mit ein.
Seit 2020 (Pflegepersonalstärkungsgesetz) sind die Pflegepersonalkosten für die direkte Patientenversorgung aus den DRGs ausgegliedert und werden gesondert vergütet.
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5. Präoperative Pflege (Was mache ich vor der OP?)
Ziel: Den Patienten optimal auf die Operation vorbereiten, um Risiken zu minimieren.
Aufgaben der Pflege:
· Aufnahmegespräch: Informationen sammeln, Ängste nehmen.
· Identifikation: Patientenarmband anlegen (Name, Geburtsdatum).
· OP-Aufklärung prüfen: Liegt die Einwilligung (mit Unterschrift) vor? Wurde der Patient vom Arzt aufgeklärt?
· Nüchternheit / Nahrungskarenz:
· Warum? Um zu verhindern, dass Mageninhalt während der Narkose in die Lunge gelangt (Aspiration).
· Regel: Ab Mitternacht (meist 6 Stunden vor OP) nichts mehr essen, bis 2 Stunden vor OP keine klaren Flüssigkeiten mehr trinken.
· Körperreinigung / Haarentfernung:
· Duschen: Meist am Abend vorher und/oder Morgen mit antiseptischer Seife.
· Rasur: Wird heute wenn möglich vermieden, da kleine Schnitte die Haut verletzen und Infektionen begünstigen können. Wenn nötig, wird mit einem elektrischen Haarschneider (Clipper) gearbeitet. Die Rasur erfolgt unmittelbar vor der OP, nicht am Vortag.
· Prämedikation: Der Patient bekommt auf Station ein Beruhigungsmittel (nach Anordnung), um Angst und Anspannung zu reduzieren.
· Schmuck, Piercings, Zahnprothesen, Kontaktlinsen: Alles muss abgelegt werden (Verletzungsgefahr, Behinderung der Atmung).
· Make-up und Nagellack: Entfernen, da sonst die Haut- und Nagelfarbe (Durchblutung, Sauerstoffsättigung) nicht beurteilt werden kann.
· OP-Kleidung: Der Patient bekommt ein OP-Hemd.
· OP-Checkliste / Sicherheitscheck: Die Pflege führt eine letzte Kontrolle durch und übergibt den Patienten an den OP.
Checkliste: Patient bereit für den OP?
1. Identifikation sichern (Patientensicherheit!)
· Patientenarmband kontrollieren: Name, Vorname, Geburtsdatum – stimmt alles mit der Patientenakte überein?
· Patient selbst identifizieren lassen: "Bitte sagen Sie mir Ihren Namen und Ihr Geburtsdatum."
2. Dokumente und Unterlagen (müssen alle vollständig sein)
· Einwilligungserklärung (OP und Anästhesie) liegt vor und ist unterschrieben.
· Aufklärungsbogen ist vorhanden (mind. 24 Std. vor OP, wenn geplant).
· OP-Plan und Patientenakte sind komplett.
3. OP-Vorbereitung (Körperlicher Zustand)
· Nüchternheit eingehalten? (Kein Essen >6 Std., keine klare Flüssigkeit >2 Std. vor OP)
· Schmuck, Piercings, Uhren, Zahnprothesen, Kontaktlinsen abgelegt?
· Make-up und Nagellack entfernt? (Wichtig für Haut- und Nagelfarbe zur Beurteilung!)
· OP-Kleidung angezogen?
4. Sicherheitscheck
· Prothesen (falls vorhanden) entfernt?
· Brille/Hörgerät – wird separat gekennzeichnet und mitgegeben?
· Allergien (z.B. Pflaster, Latex, Medikamente) – sind die bekannt und dokumentiert?
5. Übergabe an den OP
· Alle wichtigen Befunde und Röntgenbilder liegen bei.
· Die OP-Checkliste ist vollständig ausgefüllt.
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6. Arten von Operationen (Einteilung nach Dringlichkeit)
Das ist eine sehr klausurrelevante Tabelle aus deinen Unterlagen. Die Definitionen und Beispiele solltest du kennen.
· Not(fall)operation:
· Definition: Sofortige Operation als einzige Möglichkeit, das Leben des Patienten zu retten oder Dauerschäden zu verhindern.
· Vorbereitungszeit: Minuten.
· Beispiele: Gefäß- oder Milzruptur, schneller intrakranieller Druckanstieg nach Schädel-Hirn-Trauma.
· Dringliche nicht geplante Operation:
· Definition: Operation als einzige Möglichkeit, das Leben des Patienten zu retten oder Dauerschäden zu verhindern.
· Vorbereitungszeit: Stunden.
· Beispiele: Eingeklemmter Leistenbruch, akute Appendizitis, Schenkelhalsfraktur.
· Bedingt dringliche geplante Operation:
· Definition: Operation als wichtigste Therapie, um Folgeschäden zu verhindern.
· Vorbereitungszeit: Wenige Tage.
· Beispiele: Viele Tumoroperationen, chronisch subdurales Hämatom.
· Nicht dringliche geplante Operation (Wahleingriff, Elektiveingriff):
· Definition: Häufigster Fall. Operation als prophylaktische Maßnahme, um Folgeschäden zu verhindern, oder kosmetische Operation.
· Vorbereitungszeit: Wochen bis Monate.
· Beispiele: Implantation einer Hüftgelenk-Endoprothese bei Arthrose.
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7. OP-Techniken (Offen vs. Minimal-invasiv)
· Offene Operation:
· Definition: Der Körper wird vergleichsweise weit geöffnet, um an das erkrankte Organ oder Körperteil zu gelangen.
· Das bedeutet einen größeren Schnitt, mehr Gewebetrauma und meist eine längere Heilungsdauer.
· Minimal-invasive Operation (Schlüsselloch-Chirurgie):
· Definition: Durch einen kleinen Schnitt in den Körper wird ein Endoskop (Kamera) geführt. Über weitere kleine Hautschnitte werden miniaturisierte OP-Instrumente eingeführt.
· Beispiele: Laparoskopie (Bauchspiegelung), Arthroskopie (Gelenkspiegelung).
· Vorteile: Kleinere Narben, weniger Schmerzen, kürzere Erholungszeit.
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8. Fast-Track-Chirurgie
· Definition: Ein modernes, multimodales Behandlungskonzept (auch "Überholspur" genannt). Es ist eine Modifikation des bisherigen perioperativen Managements.
· Ziel: Die Anwendung evidenzbasierter Behandlungsmaßnahmen, um allgemeine Komplikationen nach der OP zu vermeiden, die Rekonvaleszenz (Genesung) der Patienten zu beschleunigen, die Homöostase (Gleichgewicht des Körpers) wiederherzustellen und die Autonomie des Patienten zu erhalten.
· Das führt zu: Einer rascheren Rehabilitation und einer kürzeren Verweildauer im Krankenhaus.
· Die wichtigsten Faktoren der Fast-Track-Chirurgie (Merkmale):
· Frühe Mobilisation.
· Motivierende Patientenführung.
· Atraumatische chirurgische Technik.
· Schonende Narkose.
· Effektive Schmerztherapie.
· Frühe orale Ernährung.
· Optimiertes perioperatives Volumenmanagement.
· Prophylaxe und Therapie des postoperativen Ileus (Darmlähmung).
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9. Anästhesie (Narkoseverfahren)
1. Allgemeinanästhesie (Vollnarkose)
· Zustand der Bewusstlosigkeit, Schmerzfreiheit und Muskelentspannung.
· Formen:
· Inhalationsanästhesie: Narkose über Gase.
· Injektionsanästhesie (TIVA - Total Intravenöse Anästhesie): Nur über Spritzen/Infusionen.
· Balancierte Anästhesie: Mischung aus Gas und Spritze.
2. Regionalanästhesie (Lokale Betäubung)
· Schmerzausschaltung einer bestimmten Körperregion. Der Patient bleibt wach und atmet selbst.
· Periphere Regionalanästhesie:
· Oberflächenanästhesie: Spray oder Creme auf Haut/Schleimhaut (z.B. vor Venenpunktion).
· Infiltrationsanästhesie: Spritze in die Haut/das Gewebe (z.B. beim Zahnarzt).
· Leitungsanästhesie: Betäubung eines ganzen Nerven oder Nervenbündels (z.B. Plexusanästhesie für den Arm).
· Rückenmarksnahe Regionalanästhesie (Zentrale Nervenblockade):
· Spinalanästhesie: Betäubungsmittel wird in den Nervenwasserkanal (Liquorraum) gespritzt. Wirkt sofort und sehr stark. Oft bei Kaiserschnitt, Hüft-OPs.
· Periduralanästhesie (PDA): Betäubung in den Raum um die harte Hirnhaut (Epiduralraum). Wirkt etwas schwächer, kann über einen Katheter für Stunden oder Tage gegeben werden (z.B. zur postoperativen Schmerztherapie oder bei der Geburt).
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10. Postoperative Phase: Aufwachraum und Überwachung auf Station
Nach der OP kommt der Patient in den Aufwachraum. Erst von dort wird er zurück auf die Station verlegt.
Überwachungskriterien im Aufwachraum (worauf wird geachtet?):
· Bewusstsein: Ist der Patient ansprechbar?
· Vitalzeichen:
· Puls (Herzfrequenz)
· Blutdruck
· Atmung (Frequenz, Geräusche, ausreichend tief?)
· Sauerstoffsättigung (Pulsoximeter)
· Temperatur
· Schmerzen: Wo und wie stark (NRS)?
· Übelkeit und Erbrechen.
· Urinausscheidung.
· Wundverband: Ist er trocken oder blutig?
· Wunddrainagen: Funktion und Menge des Sekrets.
· Infusionen: Läuft alles?
Kriterien zur Verlegung auf die Station:
· Stabile Herz-Kreislauf-Verhältnisse.
· Ausreichende Spontanatmung.
· Klares Bewusstsein (Schutzreflexe vorhanden).
· Normothermie (nicht unterkühlt).
· Adäquate Schmerztherapie.
Postoperative Überwachung auf Station (die "Vitalzeichen-Kontrolle"):
Nach der Übernahme aus dem Aufwachraum müssen die Vitalzeichen in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden. Wie oft, hängt vom Patienten und der OP ab, aber die Faustregel ist:
· In den ersten 1-2 Stunden nach Aufnahme:
Vitalzeichenkontrolle → Vierer-Regel 4x alle 15 min. (1. Std.), 4x alle 30min (2.-3.Std), 4x alle
60min (4. – 7.Std.), 1x alle 4Std. (8.-11. Std.)
· Bei Auffälligkeiten (Blutdruckabfall, Tachykardie, Unruhe) sofort wieder engmaschiger kontrollieren und Arzt informieren!
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11. Postoperative Komplikationen und Delir
Delir (Wichtig für die Klausur!)
· Ein akuter Verwirrtheitszustand nach einer Operation, besonders bei älteren Patienten.
· Ursachen: Oft multifaktoriell: Narkose, Schmerzmittel, Flüssigkeitsmangel, Infektionen, Schlafmangel, Stress.
· Symptome:
· Plötzlicher Beginn, fluktuierender Verlauf (mal besser, mal schlechter).
· Bewusstseinsstörung (Patient ist schwerer erweckbar).
· Aufmerksamkeitsstörung (kann sich nicht konzentrieren).
· Desorientiert (zu Zeit, Ort, Situation).
· Psychomotorische Störung (entweder sehr unruhig und aggressiv oder sehr ruhig und teilnahmslos - "hypoaktives Delir" wird oft übersehen!)
· Halluzinationen (oft optisch).
Weitere häufige postoperative Komplikationen:
· Nachblutung: Blutiger Verband, Hämatom, Kreislaufinstabilität.
· Wundinfektion: Rötung, Schwellung, Überwärmung, Eiter, Fieber.
· Thrombose: Schmerz, Schwellung, bläuliche Verfärbung des Beins.
· Pneumonie (Lungenentzündung): Besonders nach Bauch-OPs, weil die Patienten flach atmen.
· Übelkeit und Erbrechen.
· Harnverhalt (Kann nicht pinkeln).
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12. Wundmanagement und Verbandwechsel
Dokumentation (sehr wichtig!):
Jeder Verbandwechsel muss dokumentiert werden. Die Wunddokumentation ist gesetzlich vorgeschrieben und dient der Therapiesicherung und Qualitätskontrolle.
Was muss dokumentiert werden?
· Lokalisation: Wo genau ist die Wunde?
· Wundgröße und -tiefe: Länge, Breite, Tiefe (ggf. mit Sonde).
· Wundumgebung: Haut um die Wunde (gerötet? feucht? mazeriert?).
· Wundrand: Flach? Wulstig? Unterminiert?
· Wundgrund: Granulationsgewebe (rötlich), Fibrinbeläge (gelblich), Nekrosen (schwarz)?
· Exsudat (Wundflüssigkeit): Menge (wenig/mittel/viel) und Qualität (serös? blutig? eitrig?).
· Geruch.
· Schmerzen.
· Fotodokumentation: Nur mit Einverständnis des Patienten, immer aus gleichem Winkel und Abstand, ideal nach der Reinigung.
Handlungskette Verbandwechsel (steril)
1. Vorbereitung: Patient informieren, Material bereitstellen, Arbeitsfläche desinfizieren, Händedesinfektion.
2. Durchführung:
· Alten Verband abnehmen (Handschuhe!).
· Wunde inspizieren.
· Ggf. Wundabstrich nehmen (bei Erstversorgung oder Verschlechterung, Technik: "Essener Kreisel").
· Wunde reinigen von innen nach außen, mit jeder Kompresse nur einmal wischen.
· Neuen sterilen Verband anlegen.
3. Nachbereitung: Patienten lagern, Müll entsorgen, Flächen desinfizieren, Dokumentieren.